Die Energiemärkte haben erneut gezittert. Nach einem steilen Absturz in der Mitte der Woche, bei dem die Kurse um mehr als 5 % einbrachen, hat sich das Öl umgedreht und einen deutlichen Anstieg verzeichnet. Die Anleger blicken wieder auf den Nahen Osten, wo die Spannungen zwischen den USA und dem Iran keine Ruhe einkehren lassen.
Der Markt wartet auf die Auflösung
Am Morgen des 28. Mai sah die Situation an den Börsen wie folgt aus: Die Referenzsorte Brent stieg um 2 % auf 96,21 Dollar pro Barrel. Die amerikanische Sorte WTI legte ebenfalls fast 2 % zu und festigte sich auf 90,36 Dollar. Dieser Anstieg ist jedoch nur eine vorübergehende Atempause. Experten warnen: Die Woche könnte dennoch im Minus enden, da der Markt versucht, die Wahrscheinlichkeit eines zumindest vorübergehenden Waffenstillstands in den Preis einzupreisen.
Diplomatie am Rande des Scheiterns
Die politische Agenda bleibt der wichtigste Treiber. Donald Trump hat offen über seine Unzufriedenheit mit dem Verlauf der Verhandlungen gesprochen, und das Weiße Haus hat Gerüchte, wonach sich Iran und Oman auf eine gemeinsame Kontrolle des strategisch wichtigen Ormuz-Straits geeinigt hätten, kategorisch bestritten. Analysten der Pepperstone Group stellen fest, dass die Anleger die Aussichten auf einen Deal „durch eine optimistische Linse“ betrachten, aber das Risiko eines Scheiterns des Dialogs bleibt kritisch hoch.
Der Timer für den chinesischen Import
Es gibt noch ein weiteres Szenario, das die Ölpreise in den freien Fall schicken könnte. Analysten schlagen Alarm: Bis Mitte Juli ist ein starker Kursanstieg möglich. Der Grund: China. Sobald Peking den Verkauf seiner strategischen Reserven abgeschlossen hat, wird es die Einfuhren wieder aufnehmen, und die Nachfrage am Markt wird stark zunehmen.
Das Echo des Konflikts: Inflation und Zinsen
Der bereits im vierten Monat andauernde Konflikt (begonnen mit US-israelischen Angriffen Ende Februar) hat weitreichende Folgen über die Ölbranche hinaus. Die Angst vor einer Rückkehr der Inflation hat bereits zu einem Anstieg der Anleiherenditen geführt. Dies bringt die Zentralbanken, einschließlich der Fed, in eine schwierige Lage: Möglicherweise müssen sie die Zinsen erneut anheben, um die Preise zu dämpfen.
Mittlerweile zeigen sich innerhalb des Irans erste Anzeichen einer Entspannung: Präsident Pezeshkian hat die seit fast drei Monaten bestehende Blockade des internationalen Internets aufgehoben. Die Welt wartet indes darauf, wann der Ormuz-Straße wieder sicher für die Schifffahrt sein wird, während die Ölbörsen weiter nervös bleiben.