17. August 2026 — OpenAI hat eine neue Funktion für macOS-Nutzer vorgestellt, die die Interaktion mit künstlicher Intelligenz grundlegend verändert. Das Werkzeug namens Computer History ermöglicht es ChatGPT, die Aktivitätsverlauf des Nutzers zu analysieren und routinemäßige Vorgänge in langfristige Erinnerungen der neuronalen Netzwerke umzuwandeln. Wie bei früheren großen Veröffentlichungen hat die Neuerung jedoch heftige Diskussionen über Datenschutz und Datensicherheit ausgelöst.

Vom einfachen Chat zum digitalen Assistenten: So funktioniert Computer History

Die neue Funktion, die für Abonnenten der Pro-, Business- und Enterprise-Tarife verfügbar ist, zielt darauf ab, den KI-Assistenten kontextabhängig zu machen. Computer History protokolliert die Aktionen des Nutzers in verschiedenen Anwendungen und auf Websites und erstellt eine chronologische Zeitleiste der Ereignisse. Dies ermöglicht es ChatGPT, nicht nur auf Fragen zu antworten, sondern auch den Kontext früherer Arbeit zu „erinnern“.

Nutzer können Nachfragen stellen, zum Beispiel: „Was genau habe ich gestern am Code angepasst?“ oder „Wo habe ich den Bericht vom letzten Quartal gespeichert?“. Darüber hinaus kann die KI, indem sie wiederkehrende Muster analysiert, fertige Makros und Automatisierungsskripte vorschlagen, um Arbeitsabläufe zu beschleunigen. Dies verwandelt ChatGPT von einem einfachen Textgenerator in einen vollwertigen digitalen Sekretär, der die Gewohnheiten des Besitzers kennt.

Technische Architektur: Warum dies kein Windows Recall ist

Unmittelbar nach der Ankündigung wurden im Internet Parallelen zum Tool Windows Recall von Microsoft gezogen, das zuvor wegen totaler Überwachung heftig kritisiert worden war. OpenAI betont jedoch wesentliche konstruktive Unterschiede seiner Lösung. Im Gegensatz zum Konzept von Microsoft, bei dem die Protokollierung als Standard geplant war, erfordert Computer History eine bewusste Bestätigung des Nutzers (Opt-in) und ist standardmäßig deaktiviert.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Methode der Datenerfassung. Das Tool von OpenAI erstellt keine Screenshots, zeichnet den Bildschirm nicht auf und nutzt kein Mikrofon. Die Datenerfassung erfolgt ausschließlich über Interaktionen: Klicks, Tastatureingaben, Tastenkombinationen und Systemdaten der Barrierefreiheitsdienste (Accessibility API). Dies ermöglicht dem Nutzer, die Listen der erlaubten oder deaktivierten Anwendungen flexibel zu konfigurieren und „Whitelists“ für die Datenübertragung an den Bot zu erstellen.

Kritische Schwachstellen: Fehlende Verschlüsselung und Risiken

Trotz der Sicherheitsaussagen haben die technischen Unterlagen von OpenAI ernsthafte Nuancen aufgedeckt, die Experten für Cybersicherheit beunruhigen. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass die lokal gespeicherten Dateien mit dem Aktivitätsverlauf nicht verschlüsselt sind. Das bedeutet, dass alle anderen Programme, die auf dem Mac im selben Benutzerkonto ausgeführt werden, diese Daten frei auslesen können.

Zusätzlich besteht das Risiko von Command-Injections: Bösartige Anweisungen, die in besuchten Webseiten oder Dokumenten versteckt sind, könnten vom System ausgelesen und in den Chat-Kontext übertragen werden. Da die Daten im Textformat übertragen werden, könnten Angreifer dies nutzen, um den Kontext zu manipulieren oder bösartigen Code in die Automatisierungskette einzuschleusen.

Geografie des Releases und Einschränkungen

Die Funktion Computer History ist bereits für macOS-Nutzer verfügbar, jedoch hat OpenAI beschlossen, die geografische Verfügbarkeit des Releases einzuschränken. Das Tool ist für Nutzer aus dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), dem Vereinigten Königreich und der Schweiz nicht verfügbar. Diese Entscheidung wurde wahrscheinlich durch die strengen Anforderungen der Regulierungsbehörden an die Verarbeitung personenbezogener Daten und die strengen Datenschutzgesetze in diesen Regionen diktiert.