OpenAI hat ChatGPT Work angekündigt – ein neues Tool, das ChatGPT aus der Rolle eines Text-Chatbots in den Status eines autonomen Arbeits-KI-Agenten überführt. Der Dienst ist in der Lage, mehrstufige Arbeitsaufgaben eigenständig zu erledigen und erhält dabei direkten Zugriff auf die Tools, die Mitarbeiter täglich nutzen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Analyse von TechCrunch, während ukrainische und russische Technologiepublikationen den Kontext und die Details bestätigen.
Vom Codex zum universellen Büro-Agenten
Laut den Entwicklern wurde die ChatGPT Work-App auf Basis des Tools Codex erstellt, jedoch für Fachleute aus den verschiedensten Branchen angepasst – Buchhalter, Analysten, Marketingexperten und Manager. Der Hauptunterschied des neuen Produkts besteht darin, dass es nicht einfach auf Fragen im Dialogformat antwortet, sondern komplexe Aufträge autonom ausführt. Dafür muss der Benutzer dem Modell Zugriff auf Arbeitsdienste gewähren: E-Mail, den Unternehmens-Messenger Slack, Datenbanken wie Notion oder Figma und sogar auf Kalender. Das Ziel des Unternehmens besteht laut Entwicklern darin, vom Konzept des Textchats zum „digitalen persönlichen Assistenten' überzugehen, der sich die gesamte Büro-Routine zunutze macht und große Informationsmengen bearbeitet, zu denen ein Mensch „keine Zeit findet'.
Wichtige Anwendungsszenarien
Vertreter von OpenAI und frühe Tester heben mehrere typische Aufgaben hervor. Erstens: die automatische Datenerhebung – der KI-Agent kann eine Problemdiskussion im Arbeitschat eigenständig lesen und auf dieser Grundlage Diagramme und Grafiken erstellen. Zweitens: die Erstellung von Berichten und Memoranden – Investoren und operative Teams nutzen das Produkt, um Unternehmensdaten aus verschiedenen Quellen automatisch in einheitliche Analyse-Dashboards zu sammeln. Drittens: die Interaktion mit Kalendern und E-Mails – das Tool findet unstrukturierte Informationen in eingehenden E-Mails (z. B. Veranstaltungstermine) und trägt die Einträge selbst in Google Calendar ein. Schließlich ist die Einrichtung einer Forschungsüberwachung möglich – ein automatischer wöchentlicher Digest wissenschaftlicher Publikationen zu einem bestimmten Thema.
Sicherheit und Datenschutz
Die Gewährung eines vollständigen Zugriffs auf persönliche Korrespondenz und Unternehmensdokumente weckt zwangsläufig Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und des Datenschutzes. Lead-Entwickler der Desktop-App von OpenAI, Andrew Ambrosino, räumt ein, dass das Risiko eines versehentlichen Leaks vertraulicher Informationen besteht, das Unternehmen arbeite jedoch daran, die Aufgabenexecution „so sicher und vorhersehbar wie möglich' zu machen. OpenAI leugnet das Vorhandensein eines Risikos also nicht, sondern erklärt dessen Reduzierung im Rahmen der Produktverfeinerung.
Technische Hürden und Perspektiven
Neben den Datenschutzfragen bleiben auch technische Einschränkungen. Die Komplexität der Berechtigungssteuerung: Die Gewährung von Lese- oder Schreibrechten für Dateien in Cloud-Speichern erfordert zusätzliche Aktionen des Benutzers und eine parallele Nutzung der Web- und der mobilen App. Auch die Bewertung der Arbeitsqualität ist erschwert: Im Gegensatz zu Programmcode, der entweder funktioniert oder nicht, ist es deutlich schwieriger, die Qualität einer von KI generierten Geschäftsstrategie oder Präsentation zu bewerten. Dennoch ist OpenAI überzeugt, dass die Welt bereit für den Übergang zu einer vollständigen Interaktion mit KI-Agenten ist, und dass die weitere Verbesserung der Sprachmodelle solche Tools zu einem Standardbestandteil der täglichen Arbeit jedes Büroangestellten machen wird.