Opera hat die Entwicklung von WebAI angekündigt, einem neuen Webstandard, mit dem Benutzer Künstliche-Intelligenz-Modelle direkt im Browser ausführen und nutzen können, ohne Cloud-Server abzufragen. Laut den Entwicklern ist der Standard an keine bestimmte Architektur gebunden und funktioniert mit verschiedenen Open-Weight-KI-Systemen: Zum Start können Benutzer auf das leichtgewichtige Gemma-Modell von Google zugreifen und auf Mac-Computern auf das integrierte Basismodell von Apple. Opera weist zudem darauf hin, dass Unternehmen wie Google und Microsoft den Standard unterstützen, was seinen Charakter als Branchenlösung und nicht als proprietäre Lösung unterstreicht.
Lokale Modelle und Datendatenschutz
Ein entscheidender Vorteil von WebAI, den Opera hervorhebt, ist der Datenschutz: Die vom lokalen Modell verarbeiteten Daten verbleiben auf dem Gerät des Benutzers, und der Benutzer behält die vollständige Kontrolle über die KI auf seinem Computer. In der Ankündigung betont das Unternehmen, dass Entwickler keine eigene Infrastruktur aufbauen und für jede Anfrage bezahlen müssen und Benutzer keine Abonnements für KI-Dienste erwerben müssen. Der Standard ermöglicht es, direkt im Browser Text zu generieren, Inhalte zu klassifizieren und Daten abzugleichen. Der Hauptkompromiss bleibt die erhöhte Hardwarebelastung: Die endgültige KI-Leistung hängt direkt von den technischen Spezifikationen des jeweiligen Computers ab.
Sicherheit: Berechtigungen ähnlich wie bei einer Webcam
Zu Sicherheitszwecken hat Opera ein Berechtigungssystem pro Website eingeführt, das dem Webcam-Zugriffsmechanismus ähnelt. Jede Website muss die ausdrückliche Zustimmung des Benutzers einholen, bevor sie das lokale Modell aufrufen kann. Frühe Vorschaufunktionen müssen manuell aktiviert werden – sie sind nicht standardmäßig eingeschaltet. Nach Ansicht der Entwickler verringert dieser Ansatz die Risiken einer unbefugten Nutzung lokaler Rechenressourcen und Daten.
Wo die Technologie verfügbar ist und unterstützte Geräte
Die ersten WebAI-Funktionen sind bereits im Flaggschiff-Browser Opera One als frühe Vorschauversion verfügbar. Ähnliche Funktionen werden bald in Opera GX, einem Browser für Gamer und Streamer, sowie in Opera Neon erscheinen, das KI-Agenten zur Erledigung von Aufgaben nutzt. In der aktuellen Phase unterstützt die Technologie 64-Bit-Windows-PCs (Intel/AMD) sowie Mac-Computer mit Apple-Chips. Kristian Kolondra, Executive Vice President für Browser und KI bei Opera, stellte die Einführung der Technologie im Rahmen der Unternehmensankündigung vor.
HTML-in-Canvas: Webseiten im dreidimensionalen Raum
Gleichzeitig mit WebAI stellte Opera einen weiteren experimentellen Standard vor – HTML-in-Canvas. Die Technologie ermöglicht es Entwicklern, interaktive Webseiten in 2D- und 3D-Szenen einzubetten, während alle Standardelemente – Schaltflächen, Menüs und Formulare – voll funktionsfähig bleiben, selbst wenn sich die Seite in einem virtuellen dreidimensionalen Raum bewegt. Als Demonstration zeigte das Unternehmen das Projekt Gamer Room – einen 3D-Raum, auf dessen interaktiven Displays vollwertige Websites laufen.
Was das für Entwickler und Benutzer bedeutet
Die Einführung von WebAI und HTML-in-Canvas zeigt Operas Kurs, den Browser in eine Plattform für lokale KI und immersive Webinhalte zu verwandeln. Für Entwickler bedeutet dies die Möglichkeit, KI-Funktionen ohne eigene Infrastruktur und ohne Bezahlung für jede Anfrage hinzuzufügen, und für Benutzer den Zugriff auf KI ohne Abonnements und unter Beibehaltung der Daten auf dem Gerät. Gleichzeitig hängt der praktische Nutzen der Technologie von der Leistung der Benutzerhardware ab, was die Zielgruppe der frühen Vorschau anfangs einschränken könnte.