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title: "Operation „Postbote': Wie russische Geheimdienste massenhaft gefälschte Beschwerden an ukrainische Behörden senden"
description: "Russische Geheimdienste (IPO, GRU, FSB) führen die Operation „Postbote“ durch: Im Juni–Juli 2026 wurden mehr als 500 gefälschte Beschwerden im Namen erfundener und realer Bürger an ukrainische Behörden gesendet, mit dem Ziel, bürokratische Belastung zu erzeugen und 17 Militäreinheiten zu diskreditieren."
date: 2026-09-01T14:08:04.000Z
lang: de
url: https://xab.info/de/posts/operation-postbote-gefaelschte-beschwerden-ukraine
tags: [russia, ukraine, information-warfare, disinformation, fsb, gru, military, cyber-operations]
publisher: "XAB.info"
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# Operation „Postbote': Wie russische Geheimdienste massenhaft gefälschte Beschwerden an ukrainische Behörden senden

![Person in a hood at a computer in a dark room — illustration of the Russian special services' cyber operation 'Postman' mass-sending fake complaints to Ukrainian government bodies](https://xab.info/media/2026/09/01/operatsiya-pochtalon-feykovye-zhaloby-v-ukrainu/operatsiya-pochtalon-feykovye-zhaloby-v-ukrainu-1.webp)

Russische Geheimdienste haben gegen die Ukraine eine groß angelegte Informationsoperation unter dem Codenamen „Postbote“ gestartet, im Rahmen derer im Namen angeblich gewöhnlicher Bürger massenhaft Anfragen und Beschwerden an staatliche und sicherheitsrelevante Strukturen der Ukraine verschickt werden. Laut einem Investigativbericht von RBC-Ukraina sind an der Operation Einheiten der Informations- und Psychologischen Operationen (IPO) der russischen Streitkräfte, des GRU und des FSB beteiligt. Allein im Juni und Juli 2026 organisierten russische Ausführende den Versand von mehr als 500 Beschwerden und Anfragen und erhielten daraufhin knapp hundert offizielle Antworten ukrainischer Institutionen.

### Die Mechanik der Operation „Postbote“

Das Funktionsprinzip basiert auf Vorrecherchen: Die russischen Ausführenden sammeln personenbezogene Daten von Ukrainern, erstellen Datenbanken sowohl realer als auch vollständig erfundener Bürger und wählen passende Kontaktdaten und E-Mail-Adressen aus. Als Grundlage für die Anfragen dienen häufig echte Konflikte, Tragödien, Korruptionsskandale, Probleme mit der Mobilisierung und andere aufsehenerregende Vorgänge. Dazu fügen sie unbestätigte Details, eine für Russland passende Interpretation hinzu oder verfälschen die Kausalzusammenhänge gezielt. In einem der Briefe, mit dem sich RBC-Ukraina vertraut gemacht hat, übermittelte angeblich ein ukrainischer Bürger Koordinaten der Position russischer Truppen auf besetztem Gebiet – auf diese Weise werden fremde personenbezogene Daten zur Übermittlung gefälschter militärischer Informationen missbraucht.

### Umfang und Adressatenkreis

Als Adressaten des Versands fungieren das ukrainische Verteidigungsministerium, der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte, das Präsidialamt, das Kabinett der Minister, Rechtsdurchsetzungs- und Antikorruptionsbehörden, Volksabgeordnete und Oblastverwaltungen. Laut Quellen des Mediums überwachen die russischen Ausführenden die Reaktionen der ukrainischen Institutionen gezielt und planen, die Anzahl der Anfragen genau an jene Behörden zu erhöhen, die bereits auf frühere Briefe reagiert hatten. Eine offizielle Antwort dient Moskau als Indikator dafür, dass ein bestimmtes Szenario funktioniert hat und wiederholt oder ausgebaut werden kann. Eine der Kernaufgaben der Operation ist die Schaffung zusätzlicher bürokratischer Belastung: Die ukrainischen Behörden sind gezwungen, Ressourcen für die Bearbeitung künstlich erzeugter Signale aufzuwenden. Das zweite Ziel besteht darin, öffentliche Unzufriedenheit zu imitieren, indem solche Thesen angeblich unabhängig von „Bürgern“ aus verschiedenen Regionen und sozialen Gruppen geäußert werden.

### Angriff auf militärische Einheiten

Eine separate und nach Einschätzung von Experten die gefährlichste Richtung der Operation ist die Tätigkeit gegen die Verteidigungskräfte. Die russischen Anfragen enthalten Vorwürfe der Korruption bei Kommandeuren, unangemessener Behandlung von Untergebenen, illegaler Mobilisierung und anderer Verstöße. Der Feind hat 17 ukrainische Einheiten mit hohem moralisch-psychologischem Zustand besonders herausgegriffen und die Bemühungen auf die Diskreditierung ihres Kommandos konzentriert. Wie Generalmajor Ilja Pawlenko erklärte, finden die Russen ein Militäreinheit mit hohem Moralzustand, effektiven Kommandeuren und Kampferfolgen, und suchen dann nach personenbezogenen Daten der Soldaten oder ihrer Angehörigen; wenn sich diese nicht finden lassen, verwenden sie gefälschte Dokumente und richten Beschwerden an das NABU (DJB), die VSP, die Staatsanwaltschaft des HUR des Verteidigungsministeriums. In der russischen Militärterminologie wird diese Methode als Ablenkung von Ressourcen auf ein „ungültiges Objekt“ bezeichnet: Selbst wenn der in der Anzeige beschriebene Verstoß nicht bestätigt wird, kommt es dennoch zu einer Überprüfung der Einheit, die Einheit wird von ihrer Haupttätigkeit abgelenkt und das Kommando wird diskreditiert. Manchmal wird im Rahmen solcher Überprüfungen ein echter, aber anderer Verstoß aufgedeckt, der dann zu Propagandazwecken genutzt wird.

### Expertenbewertung und juristische Nuancen

Der Leiter des Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, Andrei Kowalenko, betonte, dass ein erheblicher Teil der gefälschten Anfragen juristisch unzulänglich ist und für die staatlichen Organe keine Pflicht zur Reaktion erzeugt. „Diese gefälschten Anfragen kommen tatsächlich in den Postfächern an, aber sie sind in der Regel juristisch unzulänglich formuliert. Und ehrlich gesagt, einigen von ihnen entspricht kein Gesetz, das eine Antwort auf solche Dinge verpflichtend machen könnte. Deshalb ist diese Geschichte in diesem Fall ineffektiv“, erklärte Kowalenko. Dennoch erzeugen selbst juristisch ineffektive Anfragen einen informationellen Lärm und zwingen die Behörden, Zeit für die Erstsortierung und Prüfung jedes Signals aufzuwenden.

### Widersprüchliche Daten

In der russischen Innenberichterstattung wurden einzelne ähnliche Beschwerden mit dem Beginn von Überprüfungen gegen ukrainische Kommandeure in Verbindung gebracht, jedoch hat RBC-Ukraina diesen Kausalzusammenhang unabhängig nicht bestätigt. Damit bleibt die Behauptung, dass gefälschte Anfragen direkt dienstliche Ermittlungen auslösen, auf der Ebene russischer Aussagen und wurde nicht unabhängig verifiziert. Andererseits bestätigt der bloße Umstand, dass auf 500+ Anfragen rund hundert Antworten eingeholt wurden, dass ein Teil der Signale tatsächlich bei den Adressaten ankommt und bearbeitet wird, auch wenn dies nicht zwingend zu vollständigen Überprüfungen führt.

## 🔍 Fact-Check Verification

- [Россия проводит спецоперацию "Почтальон" из-за фейковых обращений украинцев, - РБК-Украина](https://www.rbc.ua/ukr/news/rosiya-provodit-spetsoperatsiyu-pochtalon-1788271504.html) - Первичный источник расследования. Подтверждает существование операции, масштаб (500+ жалоб за июнь–июль 2026), задействованные структуры (ИПСО, ГРУ, ФСБ), список адресатов, 17 целевых подразделений. Не подтверждает независимо причинную связь между жалобами и реальными проверками командиров.
- [Покушение на Алексеева: что говорят люди, которых ФСБ РФ называет "киллерами", завербованными ...](https://focus.ua/voennye-novosti/743154-pokushenie-na-generala-strelki-v-alekseeva-yakoby-deystvovali-s-sbu-video) - Подтверждено по источнику focus.ua
- [ФСБ показала кадры допроса нового фигуранта дела о покушении на Алексеева](https://www.rbc.ru/politics/10/02/2026/698b178f9a79474b0af0fda0) - Подтверждено по источнику rbc.ru
- [ФСБ сообщила о задержании третьего пособника покушения на генерала Алексеева](https://www.kommersant.ru/doc/8420519) - Подтверждено по источнику kommersant.ru