Am 15. September 2026 ging der 3. Armeekorps der ukrainischen Streitkräfte im Norden der Oblast Donezk in die Offensive über und startete eine Operation unter dem Codenamen „Vivaldi“. Dies erklärte laut RBC-Ukraine der Korpskommandeur, Brigadegeneral Andrei Bilezkyj. Nach seinen Angaben handelten die Einheiten im Modus der Informationsstille, was es ermöglichte, Infiltrationsherde des Gegners heimlich zu neutralisieren und rund 75 Quadratkilometer Gebiet zu säubern; weitere 10 Quadratkilometer wurden befreit. Im Zuge der Operation wurde das Dorf Srednee sowie eine Reihe weiterer Ortschaften befreit, die von der Infiltration russischer Einheiten gesäubert wurden.
Verlauf der Operation „Vivaldi“
Ein Schlüsselmerkmal der Offensive, wie das Kommando betont, war das Handeln unter Bedingungen der Informationsstille: Die ukrainischen Soldaten bewarben weder die Vorbereitung noch den Verlauf der Maßnahmen, was den Gegner völlig überraschte. Infolgedessen wurden, wie Bilezkyj erklärte, Infiltrationsherde neutralisiert und eine erhebliche Fläche gesäubert. Die konkrete Liste der Ortschaften – abgesehen vom befreiten Srednee – wird in der öffentlichen Erklärung nicht vollständig offengelegt, was dem gewählten Geheimhaltungsmodus der Operation entspricht.
Schlag gegen die Logistik des Gegners
Die Offensive hat nach Einschätzung des Korpskommandeurs einen schweren Schaden an der Kampfkraft der 20. und 25. russischen Armee verursacht. Aufgrund der Schläge des 3. Armeekorps waren die russischen Truppen gezwungen, die Lieferung von Kraftstoffen und Schmierstoffen außerhalb der Ukraine – in die Oblast Woronesch – zu verlegen, wo laut Berichten eine Pipeline stillgelegt und Lagerkomplexe abgezogen wurden. Parallel schnitten Einheiten der unbemannten System-Abteilungen die Logistikrouten des Gegners durch und verschärften die Probleme bei der Versorgung der Front.
„Vier Jahreszeiten“: Der General offenbart das Endziel nicht
Auf die Frage nach dem Endziel der Operation wies Brigadegeneral Andrei Bilezkyj die in offenen Quellen verbreitete Version eines Vorstoßes bis zum Fluss Tscheronyi Scherebezi zurück. „Unsere Operation heißt „Vivaldi“. Und Vivaldi hat, wie bekannt, vier Jahreszeiten. Und dies ist erst die erste davon. Also folgt unseren offiziellen Mitteilungen und eilt nicht mit Spoilern. Gute Nachrichten werden folgen“, erklärte er und wies damit faktisch auf die Mehrphasigkeit der Offensive und die Absicht hin, sie nach der ersten Phase fortzusetzen.
Reaktion Europas und Kontext an der Front
Angesichts der Meldungen über die Offensive warnte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Europäischen Arktis-Gipfel in Rovaniemi vor „entscheidenden Wochen und Monaten“ für den Schutz des Friedens in Europa und betonte, dass Deutschland in der Unterstützung der Ukraine bis zum Ende des Krieges unerschütterlich bleiben müsse. Zuvor hatten Analysten des Instituts für Kriegsstudien (ISW) die Übernahme der Initiative durch die ukrainischen Streitkräfte im Jahr 2026 festgestellt: Nach ihren Angaben haben die ukrainischen Streitkräfte die territorialen Gewinne Russlands nahezu vollständig neutralisiert und Gegenoffensiven in den Richtungen Kupjansk, Chortytschynka und Lyman durchgeführt, was den allgemeinen Kontext für die Operation „Vivaldi“ im nördlichen Donbass bildet.