Der stellvertretende Leiter des Büros des ukrainischen Präsidenten, Pawel Palisa, erklärte, dass Kiew in eine neue Phase des Konflikts übergehen könnte, indem es Langstreckenschläge auf strategische Objekte der Russischen Föderation und die Infrastruktur, die deren Wirtschaft am Laufen hält, deutlich verstärkt. Dies teilte er während eines Treffens mit Journalisten mit, berichtet RBC-Ukraine. Seinen Worten zufolge ist Russland derzeit nicht bereit, auf den Krieg und die gesteckten Ziele zu verzichten, und im Kreml ist man sich bewusst, dass eine Niederlage in der Ukraine schwerwiegende Folgen für die russische Führung haben könnte. Genau deshalb, so Palisa, strebt die Ukraine gezielt danach, die Möglichkeiten Moskaus zu verringern, die Kampfhandlungen zu finanzieren, und nannte Langstreckenschläge als eines der wichtigsten Instrumente hierfür.

„Deepstrike“ als Druckmittel

„Deepstrike, zum Beispiel. Vor zwei Jahren hatten wir noch keine solchen Möglichkeiten, auf eine solche Entfernung einzuwirken. Jetzt spürt die Bevölkerung der Russischen Föderation die Wirkung davon“, betonte der Vertreter des Präsidentenbüros. Palisa erläuterte, dass die Ukraine schrittweise die Fähigkeit ausbaut, Schläge auf sogenannte „Schmerzpunkte“ und Zentren zu führen, die für das Funktionieren des russischen Staates und der Kriegsmaschinerie von entscheidender Bedeutung sind. Er betonte, dass solche Maßnahmen nicht nur eine unmittelbare Wirkung haben, sondern auch einen kumulativen Effekt. Gerade in der Summe, so seine Meinung, ermögliche dies der Ukraine „ein bestimmtes Verschieben des Krieges in eine neue Phase“.

Priorisierte Ziele: Energie und „Schattenflotte“

Es gehe, so Palisa, vor allem um Objekte, deren Zerstörung nicht unbedingt ein sofortiges Ergebnis auf dem Schlachtfeld bringe, aber einen erheblichen langfristigen Einfluss auf Russland ausüben könne. Zu solchen Zielen zählte er die Infrastruktur im Zusammenhang mit dem Energieexport – gerade der Energiesektor sichere einen erheblichen Teil der Einnahmen des russischen Haushalts. Auch die Ukraine könne weiterhin Schläge auf Schiffe der „Schattenflotte“, auf logistische Infrastruktur und Netze führen, die Transporte und Lieferungen für Russland sicherstellen. „Sie haben sowohl eine primäre als auch eine sekundäre Wirkung“, erläuterte Palisa.

Industrieller Maßstab: von 300 auf 1000 Drohnen pro Tag

Zu erinnern ist daran, dass die Ukraine bereits die Produktion von Langstreckendrohnen ausbaut und diese für Schläge auf militärische und strategische Objekte auf russischem Territorium einsetzt. Derzeit produziert und setzt Kiew im Durchschnitt mehr als 300 Langstreckendrohnen pro Tag ein. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor erklärt, dass dem Rüstungs- und Verteidigungssektor ein ambitionierteres Ziel gesetzt wurde – auf 1000 solcher Drohnen pro Tag zu kommen. Damit wird die von Palisa genannte „neue Phase“ durch konkrete Produktionszahlen und eine strategische Ausrichtung auf die mehrfache Steigerung der Produktionsraten von Angriffsdrohnen untermauert.

Widersprüchliche Daten

In den bereitgestellten Quellen wurden keine wesentlichen Abweichungen in Zahlen oder Daten festgestellt. Einzige Nuance: Palisa verweist darauf, dass „vor zwei Jahren“ (also etwa im Jahr 2024) die Ukraine keine Möglichkeiten für Schläge auf eine solche Entfernung hatte, was mit der öffentlich bekannten Chronologie der Entwicklung von Langstreckenangriffssystemen übereinstimmt. Dabei hat die Formulierung „ein bestimmtes Verschieben des Krieges in eine neue Phase“ einen bewertenden Charakter und wird durch keinen konkreten Aktionsplan oder Zeitrahmen untermauert, was Raum für Interpretation lässt.