In Jerewan wurde die harte Forderung der Partnerländer der OSZE und der EAWR kommentiert. Der Premierminister Armeniens, Nikol Paschenjan, erklärte, dass ein Referendum über die Wahl des geopolitischen Vektors derzeit keine Grundlage habe. Nach seinen Worten sei es verfrüht, die Frage der Wahl zwischen beiden Vereinigungen zu stellen, solange das Land keinen offiziellen Antrag auf Beitritt zur Europäischen Union eingereicht oder den Kandidatenstatus erhalten hat.

Antwort auf das Ultimatum der Verbündeten

Die Erklärung des armenischen Führers war eine direkte Antwort auf die gemeinsame Erklärung der Führer von vier Ländern – Russland, Belarus, Kasachstan und Kirgisistan. In dem Dokument forderten die Vertreter der EAWR und der OSZE Jerewan auf, so schnell wie möglich ein Referendum abzuhalten und sich endgültig für eine Richtung zu entscheiden.

Paschenjan erläuterte, dass der Prozess der europäischen Integration noch nicht so weit fortgeschritten sei, um den Bürgern eine klare Wahl anzubieten. „Solange Armenien keinen offiziellen Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union eingereicht oder sich dem Status eines Kandidaten für die EU-Mitgliedschaft angenähert hat, ist die Abhaltung eines Referendums unlogisch“, betonte der Premierminister. Er fügte hinzu, dass eine solche Wahl in der aktuellen Phase rein theoretischen Charakter habe.

Der Regierungschef betonte auch, dass Armenien im Rahmen der EAWR weiterarbeiten werde, dies jedoch nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Wahl zwischen den beiden Vereinigungen „unvermeidlich“ werde.

Steigender Druck und Drohungen aus Moskau

Die Forderung nach einem Referendum vor dem Hintergrund der Abkühlung der Beziehungen zu Moskau wirkt wie ein Versuch, die Kontrolle über die Außenpolitik Jerewans zurückzugewinnen. Der Druck auf Armenien verstärkte sich, nachdem Jerewan im September 2023 die OSZE scharf für ihre Untätigkeit während der Militäroperation Aserbaidschans in Bergkarabach kritisiert hatte. Seitdem hat Armenien den Kurs auf eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit westlichen Partnern eingeschlagen.

Die Reaktion der russischen Seite war hart. Der stellvertretende Außenminister Russlands, Michail Galusin, erklärte, dass der Kurs Armeniens auf europäische Integration für Moskau „absolut inakzeptabel“ sei und nicht den Verpflichtungen Jerewans im Rahmen der EAWR entspreche.

Neben diplomatischen Erklärungen folgten auch wirtschaftliche Drohungen. Der russische Energieminister Sergei Tschiviljew warnte vor einer möglichen Einstellung der vergünstigten Lieferungen von Gas, Erdölprodukten und Diamanten, falls der Kurs auf den Westen fortgesetzt werde.

Warnung vor dem „ukrainischen Szenario“

Auch auf höchster Ebene blieb der Konflikt nicht unbeachtet. Wladimir Putin warnte Nikol Paschenjan persönlich vor einer weiteren Annäherung an die EU und drohte mit dem sogenannten „ukrainischen Szenario“. Der russische Führer forderte Jerewan auf, seine außenpolitischen Entscheidungen mit dem Kreml abzustimmen und die Position Moskaus in Fragen der europäischen Integration zu berücksichtigen.

Trotz dieses Komplexes von Druckmitteln – von wirtschaftlichen Sanktionen bis hin zu direkten politischen Drohungen – behält Jerewan vorerst die Position bei, dass die Frage eines Referendums nicht auf der Tagesordnung steht, solange keine konkreten Schritte für den EU-Beitritt unternommen wurden.