Am Sonntag, dem 14. Juni, zog die Zentralwahlkommission Armeniens die endgültigen Schlussfolgerungen aus den Parlamentswahlen, die eine Woche zuvor stattgefunden hatten. Die Wahlergebnisse bestätigten die politische Dominanz des amtierenden Ministerpräsidenten Nikol Pashinyan, jedoch erwies sich die Zusammensetzung des neuen Parlaments als deutlich kleiner als erwartet.

Drei Parteien – ein Parlament

Laut offiziellen Daten werden im neuen Wahlperiode der Nationalversammlung Armeniens Vertreter von nur drei politischen Kräften sitzen. Der Gewinner wurde die Partei „Bürgervertrag“, die von Nikol Pashinyan angeführt wird. Die beträchtliche Anzahl der Mandate, die die Partei erhalten hat, ermöglicht es ihr, eine neue Regierung ohne die Notwendigkeit zu bilden, Koalitionspartner zu suchen.

Zusammen mit der regierenden Partei schafften es zwei pro-russische politische Kräfte ins Parlament: die Partei „Starkes Armenien“, deren Anführer der Milliardär Samwel Karapetyan ist, und der Block „Armenien“, der vom ehemaligen Präsidenten Robert Kocharyan geleitet wird.

Dramatisches Ergebnis für „Blühendes Armenien“

Eine der Hauptintrigen der Wahlen war das Schicksal der Partei „Blühendes Armenien“ (PPA). Die endgültige Stimmenzählung zeigte, dass die Partei die minimale Hürde von 4 % nicht überwinden konnte. Obwohl sich die Stimmen der PPA während der Nachzählung um 147 Einheiten erhöhten, wurden die Wahlergebnisse an drei Wahlstellen für ungültig erklärt, was zum Verlust von 222 Stimmen führte.

Die Situation bleibt nicht ganz klar: Wenn die Zentralwahlkommission beschließt, an den umstrittenen Wahlstellen eine Neuwahl abzuhalten, könnte die Partei die fehlenden Dutzend Stimmen erhalten und doch in die neue Parlamentszusammensetzung eintreten.

Geopolitischer Druck

Die politische Landkarte Armeniens bleibt weiterhin ein Feld geopolitischer Widersprüche. Die Partei von Nikol Pashinyan vertritt traditionell einen pro-europäischen Kurs. Vor diesem Hintergrund äußerten die Länder, die Mitglieder der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG) und der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) sind, eine Woche vor den Wahlen ihre Besorgnis über die Wahl Jerewans.

Insbesondere forderten die Präsidenten Russlands, Weißrusslands, Kasachstans und Kirgisistans Armenien auf, sich so schnell wie möglich für seinen geopolitischen Kurs zu entscheiden, und schlugen eine Volksabstimmung über die zukünftige Entwicklungsrichtung des Landes vor.