Von 10 auf 100 Kilometer: Eine Revolution in der Logistik an der Front

Unter den Bedingungen eines modernen Krieges, bei dem jeder Schritt an die Front mit Risiken verbunden ist, hat der ukrainische Ingenieursgeist eine Lösung für eines der Hauptprobleme autonomer Technik gefunden. Das Unternehmen PAWELL Battery aus Lwiw, das sich auf die Entwicklung fortschrittlicher Stromquellen spezialisiert hat, hat einen technologischen Durchbruch erzielt, indem es die Reichweite des bodengebundenen robotischen Komplexes (NRK) „Plastun' vervierfachte. Während die früheren Nennwerte von 25 Kilometern in der Realität oft auf 10–12 km sanken, ist die neue Version des Roboters in der Lage, Strecken von 75–100 km mit einer einzigen Ladung zu bewältigen.

Der robotische Komplex „Plastun', der 2023 auf dem Schlachtfeld erschien, war ursprünglich als ultraleichte Alternative zum Infanteristen für die gefährlichsten Aufgaben konzipiert: Logistik, Evakuierung von Verwundeten und Entschärfung. Mit einem Eigengewicht von nur etwa 35 kg kann er eine Last von bis zu 50 kg oder einen Verwundeten mit einem Gewicht von bis zu 120 kg transportieren. Die begrenzte Autonomie verwandelte ihn jedoch in eine Maschine, die fest an das Hinterland gebunden war, was dazu zwang, Routen als kürzeste Linie zu planen, die oft unter dem Beschuss des Gegners verlief.

Feststoffchemie gegen Lithium-Ionen

Der Schlüssel zur Lösung des Problems war der Ersatz der serienmäßigen Lithium-Ionen-Batterie durch eine Feststoffbatterie. Die Ingenieure von PAWELL konnten die volle Kompatibilität mit der vorhandenen Elektronik des Roboters beibehalten, ohne dass der Hersteller von „Plastun' die Leistungselektronik oder die Ladeinfrastruktur überarbeiten musste. Die neue Batterie arbeitet im gleichen Spannungsbereich und nutzt dasselbe Batteriemanagementsystem.

Dank der neuen Chemie lässt sich aus jedem Kilogramm der Batterie etwa 60 % mehr Energie gewinnen. Infolgedessen verfügt der Roboter mit einer einzigen Ladung über viermal mehr Energie, wobei das Gewicht der Batterie nur verdoppelt wurde. Dies ermöglichte es, das Gleichgewicht zwischen Mobilität und Autonomie zu wahren, was für Technik, die in den Kofferraum eines PKWs passen muss, von entscheidender Bedeutung ist.

Neue Taktik: Vom „Einweg-Einsatz' zur Schichtarbeit

Die Verlängerung der Reichweite verändert die Taktik des Einsatzes des Roboters auf dem Schlachtfeld grundlegend. Wie Pawel Jesyp, Mitbegründer von PAWELL, feststellte, führt der Roboter keine Einweg-Einsätze mehr durch und kann nun eine ganze Schicht arbeiten. „Der Energievorrat ermöglichte es, länger und sicherer zu fahren: im Umweg, durch Senken, an Rückhängen, mit Pausen in Deckung', betonte der Experte.

Dies eröffnet Möglichkeiten zur Sicherung von Positionen im hinteren Verteidigungsbereich, zur Durchführung von Mehrpunkt-Routen bei einem einzigen Einsatz und zum langen Warten des Roboters in Deckung auf der Route. Jetzt können Ladestationen weiter von der Front entfernt platziert werden, was die Risiken für das Wartungspersonal verringert, und Routen können unter Berücksichtigung des Geländes und nicht nur der Minimierung der Distanz geplant werden.

Skalierung des Erfolgs: Trend zur Energieeffizienz

Der Erfolg der Einführung von Feststoffbatterien in „Plastun' ist kein Einzelfall, sondern Teil eines allgemeinen Trends in der ukrainischen Verteidigungsindustrie. Die Entwickler planen, dasselbe Prinzip auf andere bodengebundene Komplexe der Verteidigungskräfte zu skalieren. Akkumulatoren bleiben der Schlüsselfaktor, der die Kampffähigkeiten von unbemannten und robotischen Systemen bestimmt.

Kürzlich wurde berichtet, dass auch der NRK Protector modernisiert wurde, wobei die Tragfähigkeit verdoppelt und ein neuer Kommunikationstyp eingeführt wurde. Ein ähnlicher Durchbruch ereignete sich auch im Bereich der Aufklärungsdrohnen, bei denen die Flugreichweite dank neuer Batterien verdoppelt werden konnte. All dies zeigt, dass die Entwicklung der Energietechnik zu einem ebenso wichtigen Frontabschnitt wird wie die Entwicklung der Kampfsysteme selbst.