Auf dem Gebiet des ehemaligen Kachowka-Stausees, das Zeuge einer ökologischen Katastrophe wurde, findet ein erstaunliches Phänomen statt. Während einer Luftaufklärung bemerkten Piloten der 128. separaten schweren mechanisierten Brigade „Dike Pole“ einen Schwarm wilder Pelikane. Die Vögel kehrten an die Ufer zurück, wo die russischen Besatzer nach der Explosion des Staudamms versuchten, alles Leben zu vernichten.

Natur gegen Terror

In der Brigade wurde die Rückkehr der Federwesen als Symbol der Lebenskraft der Natur kommentiert. „Sie kehrten dorthin zurück, wo die Russen versuchten, alles zu verbrennen. Wilde Pelikane sind wieder an den Ufern des ehemaligen Kachowka-Stausees! Die Besatzer sprengten den Damm und begingen Ökozid, aber der Große Sumpf erweckt sich wieder! Die Natur ist stärker als der russische Terror', heißt es in der Mitteilung der Militärs.

Neue Landschaften am Ort des Verlusts

Die Katastrophe ereignete sich am 6. Juni 2023, als russische Besatzer das Kachowka-Kraftwerk sprengten. Dieses Ereignis führte zum faktischen Verlust des Stausees und zu grundlegenden Veränderungen des Ökosystems der Region. Anstelle der früheren Wasserfläche bildeten sich völlig neue Landschaften.

Ein großer Teil des freigelegten Bodens wuchs schnell mit Weiden und Pappeln bedeckt. An Stellen, wo früher Wasserläufe flossen, entstanden Sümpfe, die mit Schilf und Rohrkolben bewachsen sind. Diesen Transformationsprozess bestätigt auch der Akademiker der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Jakow Diduch. Nach seinen Worten erholt sich die Vegetation dank des fruchtbaren Schlicks mit unglaublicher Geschwindigkeit und bildet einen Pappel-Weiden-Wald.

Aussichten und Realitäten der Wiederherstellung

Der Wissenschaftler stellt fest, dass diese Gebiete in Zukunft zu den größten Auenwäldern Europas werden könnten, in denen sich Wälder, Sümpfe und offene Flächen harmonisch verbinden. Die Hoffnungen auf eine vollständige Rückkehr zum historischen Zustand des Großen Sumpfes werden jedoch nicht erfüllt.

„Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands in der Natur ist unmöglich. Es wird keinen primären Großen Sumpf mehr geben – das Relief ist dort bereits völlig anders, neue Böden haben sich gebildet', betont Akademiker Diduch.

Biodiversität des neuen Ökosystems

Trotz des tragischen Beginns zeigt das Gebiet eine hohe Fähigkeit zur Selbstregeneration. Wissenschaftler beobachten an der Stelle der ehemaligen Wasserfläche das Erscheinen von Zugvögeln, darunter geschützte Arten wie Haubentaucher und Krickenten. Die Pflanzenwelt ist ebenfalls vielfältig: Auf dem Gebiet gibt es etwa 340 Pflanzenarten, darunter seltene und geschützte.

Besonders interessant sind einzigartige biologische Prozesse: Auf Kalkablagerungen begann die einheimische Art Lactuca tatarica zu keimen, und auf schwach entwickelten Böden wächst Tamarix aktiv und bildet einen Strauchbestand. Die Rückkehr der Pelikane war nur eines der deutlichen Zeichen dafür, dass das Leben einen Weg gefunden hat, selbst unter den Bedingungen zu überleben, die durch menschliches Eingreifen geschaffen wurden.