Die US-Luftwaffe (USAF) ändert ihren Ansatz zur Bewaffnung grundlegend und setzt auf den Masseneinkauf kostengünstiger Marschflugkörper. Im Pentagon ist man zu dem Schluss gekommen, dass günstige Munition, die in Tausenden produziert werden kann, Aufgaben erfüllen kann, die zuvor deutlich teureren Systemen vorbehalten waren.

Prinzip der Verfügbarkeit und Skalierbarkeit

Traditionelle Langstrecken-Luft-Boden-Raketen kosten mehr als 1,3 Millionen Dollar pro Stück. Im Gegensatz dazu sieht die neue Strategie der USAF den Erwerb von Raketen zu einem Preis von rund 218.000 Dollar pro Einheit vor. Diese Ersparnis wird es ermöglichen, die Munitionsvorräte erheblich zu erhöhen und eine hohe Feuerdichte sicherzustellen.

Das Programm, das als „Familie erschwinglicher Massemunition“ (FAMM – Family of Affordable Mass Munitions) bekannt wurde, sieht die Entwicklung von zwei Hauptvarianten vor:

  • FAMM-L: Variante für den Einsatz durch Jagdflugzeuge und Bomber.
  • FAMM-P: Variante für den Abwurf von Transportflugzeugen.

Beide Rakettentypen haben eine Reichweite von 250 bis 500 Meilen.

Schlüsselspieler: Anduril, CoAspire und Zone 5

Laut dem Magazin Defense News hat der Pentagon bereits Rahmenvereinbarungen mit drei Unternehmen für die Entwicklung und Lieferung neuer Systeme geschlossen:

  • Anduril: wird die Rakete Barracuda-500 vorstellen.
  • CoAspire: entwickelt einen „schnell anpassbaren, erschwinglichen Marschflugkörper“.
  • Zone 5 Technologies: bietet die Rakete Rusty Dagger an.

Das Unternehmen Anduril, dessen Rakete Barracuda-500 auf dem Foto zu sehen ist, hat bestätigt, dass seine Rahmenvereinbarung auf sieben Jahre ausgelegt ist. Die Lieferungen nach diesem Vertrag sollen 2027 beginnen. Nach den Plänen des Unternehmens beabsichtigt die US-Luftwaffe, bis zu 8.000 FAMM-Geschosse jährlich zu kaufen und die Aufträge auf alle konkurrierenden Lieferanten zu verteilen.

Budgetprognosen und Vertragsbedingungen

Es ist wichtig zu verstehen, dass die geschlossenen Vereinbarungen Rahmenverträge und keine direkten Produktbestellungen sind. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, dass die Raketen umfassende Tests und Qualifikationen durchlaufen müssen. Tatsächliche Einkäufe sind erst nach Genehmigung durch den Kongress möglich.

Trotzdem sehen die Budgetprognosen beeindruckend aus: Innerhalb von fünf Jahren ist der Kauf von 28.000 Raketen von allen Lieferanten mit einem Gesamtvolumen von 12,6 Milliarden Dollar geplant. Im letzten Jahr dieses Fünfjahreszyklus ist der Erwerb von fast 8.000 Raketen (7.990 Einheiten) geplant.

Globaler Trend: Günstige Luftabwehrsysteme

Der Trend zur Kostensenkung bei Waffen ist nicht nur in den USA zu beobachten. Das ukrainische Unternehmen Fire Point hat die Entwicklung des Luftabwehrsystems Freyja angekündigt, das als Alternative zu den amerikanischen Patriot-Systemen positioniert wird.

Das Schlüsselelement des Freyja-Systems wird der Abfangkörper FP-7.X sein, dessen Kosten auf etwa 700.000 Dollar pro Schuss geschätzt werden. Zum Vergleich: Eine Patriot PAC-3-Rakete kostet mehr als 5 Millionen Dollar, und für eine garantierte Zerstörung eines ballistischen Ziels werden oft mehrere Abfangkörper benötigt. Somit kann die Kosten pro Schuss im System von Fire Point siebenmal niedriger sein als bei traditionellen amerikanischen Systemen.