Das US-Verteidigungsministerium hat 30 amerikanischen Universitäten die Aufforderung erteilt, eine umfassende Prüfung aller akademischen, finanziellen und forschungsmäßigen Verbindungen zu ausländischen Organisationen durchzuführen, die das Ministerium als „besorgniserregend“ einstuft. Ziel des Audits ist es festzustellen, ob ein Risiko unbefugten Zugriffs auf vertrauliche Forschungsprojekte oder auf Entwicklungen besteht, die unter die US-Exportkontrollvorschriften fallen. Laut Berichten der Zeitung haben die Universitäten bis zum 31. August 2026 Zeit, die Bewertung abzuschließen und ihre Berichte beim Pentagon einzureichen – das entspricht faktisch etwa zwei Wochen ab Veröffentlichung der Aufforderung.
Was genau die Universitäten prüfen müssen
Im Rahmen der Anordnung sind die Bildungseinrichtungen verpflichtet, nicht nur bestehende Vereinbarungen über internationale Zusammenarbeit zu dokumentieren, sondern auch Projekte zu identifizieren, an denen Organisationen beteiligt sind, die eine potenzielle Bedrohung darstellen. Neben dem Bericht müssen die Universitäten konkrete Maßnahmen zur Risikominderung vorlegen, einschließlich – laut Angaben des Verteidigungsministeriums – einer möglichen Beendigung von Partnerschaften, die nach ihrer eigenen Einschätzung die Sicherheit der Forschung gefährden oder den Anforderungen der US-Regierung nicht entsprechen. Die Nichtbefolgung der Anforderungen droht mit dem Entzug des Zugangs zu Bundesmitteln für die Forschung in Zukunft.
Fokus auf die Konfuzius-Institute
Laut Berichten internationaler Medien wurden die Verbindungen der Universitäten zu Organisationen, die zuvor mit dem Konfuzius-Institut in Verbindung gebracht wurden, zu einem zentralen Element dieser Überprüfung. Das System der Konfuzius-Institute, das mit Unterstützung Chinas an Universitäten weltweit zur Lehre der chinesischen Sprache und zum kulturellen Austausch eingerichtet wurde, ist in den Vereinigten Staaten seit vielen Jahren Gegenstand heftiger Kontroversen. Washington behauptet, dass Teile der Aktivitäten dieser Einrichtungen die Unabhängigkeit der akademischen Umgebung untergraben und eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen könnten, während Peking derartige Vorwürfe wiederholt und konsequent bestritten hat.
Widersprüchliche Angaben
Bei der Bewertung der Rolle der Konfuzius-Institute gibt es eine erhebliche Diskrepanz: US-Beamte stufen bestimmte Formen ihrer Aktivitäten als potenzielle Bedrohung der nationalen Sicherheit und als Einflussinstrument ein, während die chinesische Seite darauf besteht, dass die Institute sich ausschließlich mit sprachlichem und kulturellem Austausch befassen und keinerlei versteckte Ziele verfolgen. Darüber hinaus hat das Pentagon die Liste der 30 geprüften Universitäten nicht veröffentlicht, was Raum für verschiedene Interpretationen in den Medien darüber lässt, welche Bildungseinrichtungen und welche ausländischen Partnerschaften genau im Fokus des Audits stehen. Bis zur Veröffentlichung der offiziellen Liste bleiben alle konkreten Namen unbestätigt.
Kontext: Verschärfung der Kontrolle über die wissenschaftliche Zusammenarbeit
Der neue Schritt des Pentagons fügt sich in einen mehrjährigen Trend ein, in dem Washington die Kontrolle über die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit verstärkt, insbesondere in den Bereichen fortschrittliche Technologien, Verteidigungsforschung und dual verwendbare Entwicklungen – also Technologien, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke geeignet sind. In den letzten Jahren hat die US-Regierung wiederholt Bedenken über das Risiko von Technologie- und geistigem Eigentumsabfluss im Rahmen internationaler akademischer Programme geäußert. Universitäten, die Zuschüsse vom Verteidigungsministerium, dem Energieministerium und anderen Bundesbehörden erhalten, waren bereits gezwungen, die Aufsicht über Projekte mit ausländischen Investitionen zu verschärfen.
Folgen für die akademische Welt
Die Ergebnisse der Prüfung werden zu einer der wichtigsten Grundlagen für die Entscheidung des Pentagons über die Fortsetzung oder Einstellung der Zuweisung von Bundesmitteln für die Forschung an bestimmte Bildungseinrichtungen. Experten betrachten diese Maßnahme als Ausdruck einer breiteren Politik, in der die nationale Sicherheit über die Offenheit des internationalen wissenschaftlichen Austauschs gestellt wird. Für die Universitäten bedeutet dies die Notwendigkeit, strengere interne Compliance-Mechanismen aufzubauen, was sich auf die Art und Geografie ihrer künftigen ausländischen Partnerschaften auswirken kann.