Die russische Armee steht vor einer schweren Personalkrise: Die aktuellen Rekrutierungs- und Mobilisierungsraten kompensieren die Verluste an der Front nur teilweise. Dies erklärte Andrij Jusow, ein Vertreter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums, während eines Vortrags auf dem internationalen Forum „Sicherheitsarchitektur“.
Die endlose Suche nach Soldaten
Laut dem Experten hat der Prozess der Gewinnung neuer Soldaten für die russische Armee seit Beginn der Invasion keinen einzigen Tag unterbrochen. Moskau nutzt alle verfügbaren Methoden: von der inneren Mobilisierung bis hin zu Versuchen, ausländische Söldner zu werben. Allerdings, wie Jusow betont, deckt das Ausmaß dieser Maßnahmen die tatsächlichen Verluste an der Front kaum.
Die Situation wird dadurch verschärft, dass alte Methoden der Truppenaufstellung, wie die Einberufung von Gefangenen oder Unterhaltszahlungsverweigerern, keine ausreichenden Ergebnisse mehr liefern. Für die russische Führung und Wladimir Putin persönlich wird die Personalfrage zu einer immer dringlicheren Herausforderung, die nach neuen, möglicherweise radikaleren Lösungen verlangt.
Faktoren für den Anstieg der Verluste
Einer der Hauptgründe, warum Russland ständig Ersatz für getötete und verwundete Soldaten suchen muss, ist die veränderte Taktik der ukrainischen Streitkräfte. Ein signifikanter Beitrag zum Anstieg der Verluste des Gegners wird durch den aktiven Einsatz von unbemannten Fluggeräten (Drohnen) geleistet.
Drohnen ermöglichen es den ukrainischen Kräften, Bewegungsrouten effektiv zu kontrollieren, gezielte Schläge gegen Stäbe, Ansammlungen von Technik zu führen und logistische Ketten zu zerstören. Dies macht das Vorrücken der Besatzungstruppen extrem kostspielig in menschlicher Hinsicht.
Pläne des Kremls und die Bedrohung einer Ausweitung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ebenfalls beunruhigende Daten zu den Plänen des russischen Kommandos bekannt gegeben. Nach seinen Worten bereitet sich Moskau auf eine neue Welle der Mobilisierung vor, bei der weitere 100.000 Menschen einberufen werden sollen. Diese Kräfte werden wahrscheinlich zur Verstärkung der Richtungen Tschernihiw und Kiew eingesetzt.
Zusätzlich warnte Selenskyj vor einer Verschärfung der Kontrolle über den Informationsraum in Russland, einschließlich der Einschränkung der Arbeit sozialer Netzwerke. Im Kreml werden laut dem ukrainischen Staatschef fünf Szenarien für eine mögliche Ausweitung der Kampfhandlungen über die nördliche Richtung der Ukraine ausgearbeitet.