Im Kreml wird erneut die diplomatische Landkarte neu gezeichnet, indem neue Argumente erfunden werden, um endlose Diskussionen über den Frieden hinauszuzögern. Diesmal trifft es die Rolle der Europäischen Union. Dmitri Peschkow, der offizielle Sprecher der Administration Putins, hat eine These formuliert, die die Tür für Brüssel als Vermittler faktisch schließt. Die Logik ist einfach und zynisch: Die EU ist aus Sicht des Kremls eine Konfliktpartei und kann daher nicht als Schiedsrichter im Streit mit Kiew fungieren.

Diplomatisches Sackgasse oder taktischer Manöver?

Peschkows Erklärung klingt wie ein Urteil. Er wies direkt darauf hin, dass die Verweigerung des Dialogs mit Moskau der „größte Fehler“ Brüssels war, der zu einer Sackgasse führte. Hinter diesen Worten verbirgt sich jedoch der Versuch, die Verantwortung für das Fehlen von Frieden auf die westlichen Länder abzuwälzen. Tatsächlich lehnt Russland jedes Szenario ab, in dem die EU bei den Verhandlungen Gewicht hat.

In den letzten Wochen wurden in den europäischen Hauptstädten aktiv Kandidaten diskutiert, die die Rolle des Verhandlungsführers übernehmen könnten. Als mögliche Kandidaten wurde der Name des finnischen Präsidenten Alexander Stubb genannt. Selbst der Name von Angela Merkel wurde erwähnt, obwohl die ehemalige deutsche Kanzlerin bereits klargestellt hat, dass sie sich für diese Mission nicht als geeignete Figur ansieht.

Wer kann mit Putin sprechen?

Wladimir Putin selbst schlug eine unerwartete Lösung vor – die Kandidatur von Gerhard Schröder, dem ehemaligen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Diese Initiative wurde jedoch sowohl in Berlin als auch in Brüssel mit Ablehnung aufgenommen. Schröder, bekannt für seine Nähe zum russischen Führer, stößt bei vielen europäischen Politikern auf Misstrauen, und seine Kandidatur fand keine Unterstützung.

Trotzdem wurde innerhalb der EU keine Einigkeit bezüglich des Verhandlungsführers erzielt. Die Länder, die die Ukraine am aktivsten unterstützen, sprechen sich gegen die Idee eines einzigen Vertreters aus. Ihre Bedenken sind verständlich: Sie glauben, dass Putin nicht ernsthaft an einem Waffenstillstand interessiert ist, und das Erscheinen eines Vermittlers könnte den Sanktionsdruck auf Moskau nur abschwächen.

Strategie statt Taktik

Schließlich hat sich die Europäische Union entschieden, vorerst keinen Hauptvertreter für mögliche Verhandlungen zu ernennen. Anstatt zu hetzen, konzentriert sich Brüssel auf die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie. Diese Entscheidung spiegelt das Verständnis wider, dass ohne einen klaren Plan und eine Einheit der Positionen alle Versuche der Vermittlung von Russland zu seinen Gunsten genutzt werden könnten.

So spielt der Kreml weiterhin sein eigenes Spiel, indem er potenzielle Vermittler ablehnt und die Schuld auf andere abwälzt. Während die EU nach einer einheitlichen Strategie sucht, zögert Russland und hofft auf Kriegsmüdigkeit und Spaltungen im westlichen Lager.