Seit dem 31. August 2026 sind in Kiew und der Oblast Kiew drei spezielle Patrouillenfahrzeuge „Phantom“ im Einsatz – Systeme zur automatischen Erfassung von Verkehrsverstößen, die direkt in die Fahrzeuge der Verkehrspolizei integriert sind. Laut Angaben des ukrainischen Innenministeriums haben diese Fahrzeuge in den ersten sechs Tagen im automatischen Modus 7.012 Geschwindigkeitsüberschreitungen dokumentiert. Unter den festgestellten Fällen befinden sich zahlreiche gefährliche Überhastungen, die den zulässigen Wert um 50 km/h und mehr überschreiten. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf eine offizielle Erklärung des Innenministeriums.
Automatische Erfassung und aktive Patrouille
Die „Phantoms“ arbeiten in zwei Modi. Der erste – die automatische Erfassung: Die Bordsysteme erkennen und fotografieren Verstöße sowohl in Fahrtrichtung als auch in Gegenrichtung, unabhängig davon, ob sich das Patrouillenfahrzeug selbst bewegt oder steht. Der zweite – das direkte Eingreifen der Besatzung. Im selben sechstägigen Zeitraum haben die Patrouillen in den „Phantoms“ 55 Fahrer wegen schwerer Verkehrsregelverletzungen angehalten: Rotlichtverstoß, Überfahren der doppelten durchgezogenen Linie, Einfahren in den Gegenverkehr und Missachtung der Vorfahrtsregeln an Kreuzungen. Das Innenministerium betont, dass die Besatzungen Uniform tragen, Dienstausweise bei sich führen und befugt sind, Protokolle direkt am Ort des Verstoßes auszustellen.
„Nicht genug, beim Sichten der Patrouille abzubremsen“
Der entscheidende Unterschied der „Phantoms“ gegenüber herkömmlichen Autofixierungskameras, die auf Masten montiert sind, liegt in Mobilität und Unvorhersehbarkeit. Wie das Ministerium erklärte, genügt es für den Fahrer nicht mehr, einfach die Geschwindigkeit zu verringern, wenn er das Patrouillenfahrzeug bemerkt: Das System erfasst den Verstoß zu jedem Zeitpunkt, in jede Richtung und in jedem Zustand des Fahrzeugs. Dies verändert das psychologische Verhaltensmodell im Straßenverkehr grundlegend – der Fahrer kann nicht „erraten“, wo genau die Kontrolle stattfindet, und muss die Regeln ständig einhalten.
Prävention statt Bußgelder: Die Position des Innenministeriums
Das Ministerium erklärt ausdrücklich, dass das Ziel der Einführung der „Phantoms“ nicht die Steigerung der Anzahl der ausgestellten Verwarnungen ist. „Die Hauptaufgabe des Einsatzes der „Phantoms“ ist nicht die Erhöhung der Anzahl der Verwarnungen, sondern die Schaffung einer dauerhaften Gewohnheit, die Verkehrsregeln einzuhalten, die Verringerung der Anzahl von Verkehrsunfällen und der Schutz menschlicher Leben“, betonte das Innenministerium. Damit positioniert die Behörde das System als präventives Instrument zur Unfallvermeidung und nicht als zusätzliche Einnahmequelle für den Haushalt.
Der größere Kontext: 50 neue Kameras und Erweiterungspläne
Der Start der „Phantoms“ war Teil eines umfassenderen Updates des Kontrollsystems auf den ukrainischen Straßen. Seit dem 20. August 2026 sind im Land 50 neue Autofixierungskameras in Betrieb, sechs davon in der Oblast Kiew auf den Strecken N-01, R-69, N-07, M-01-01 und M-07. Die Kameras überwachen den Verkehr in Richtung Leonówka, Kiewer Wasserkraftwerk, Hohorlivka, Boryspil und Kiew. Laut Angaben der my.ua ist nach einer erfolgreichen Pilotphase in der Hauptstadt und der Oblast geplant, die Kontrolle mit Hilfe der „Phantoms“ auf andere Regionen der Ukraine auszuweiten.
Widersprüchliche Daten
Im Großen und Ganzen ist das von der Polizei dargelegte und von mehreren Medien bestätigte faktische Bild konsistent. Allerdings gibt es in den Formulierungen der Quellen geringfügige Abweichungen in den Schwerpunkten. So charakterisiert die Überschrift der Interfax-Publikation den Bericht als Ergebnis der „ersten Woche“ des Einsatzes der „Phantoms“, während die Erklärung des Innenministeriums selbst und die Daten von RBC-Ukraine den genauen Zeitraum der „ersten sechs Tage“ angeben. Der Unterschied von einem Tag ändert nichts an der Substanz der Zahlen, zeigt aber, dass einige Quellen den Zeitraum runden. Darüber hinaus nennt die socportal.info in der Überschrift „fast 1.800 Verstöße pro Tag“ – dies ist wahrscheinlich der Spitzenwert eines einzelnen Tages, während der Durchschnitt über den sechstägigen Zeitraum bei etwa 1.168 Verstößen pro Tag liegt. Beide Werte sind korrekt, spiegeln aber unterschiedliche Datenabschnitte wider.