Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Markt für piratisierte Videoinhalte in Russland um 4,2 % und erreichte 17,3 Mio. US-Dollar, wie aus einer Studie des Unternehmens F6 hervorgeht, auf die sich die „Kommersant“ beruft. Laut Analysten ist dies das erste Wachstum des Volumens an illegalem Video seit 2019 – nach mehreren Jahren der Stagnation und des Rückgangs. Marktteilnehmer erklären den Anstieg durch die anhaltende Nachfrage der Zuschauer nach ausländischen Filmen, die im Moment der Premiere nicht immer auf legalen Plattformen verfügbar sind.
Trafficanstieg vor dem Hintergrund des Booms legaler Streamingdienste
Parallel zur Expansion des Piraterie-Segments verzeichneten die Analysten einen Anstieg des Suchverkehrs auf illegale Portale: Die Anfragen an Piraterie-Ressourcen stiegen um 5,7 %. Gleichzeitig nahm die Besucherzahl legaler Streaming-Plattformen im selben Zeitraum deutlich stärker zu – um 19,6 %. Der Videomarkt insgesamt wächst also, und die Piraterie expandiert nicht auf Kosten eines Abflusses der Zuschauer von legalen Diensten, sondern als zusätzlicher, konkurrierender Konsumkanal.
Premieren gelangen seltener ins Netz, ausländische Filme führen aber weiter
Der Anteil der Kinopremieren, die in das Piraterienetz gelangten, sank im ersten Halbjahr 2026 auf 38 % der Verleih-Starts (insgesamt 255 Projekte) gegenüber mehr als 52 % im ersten Halbjahr 2025. Ausländische Premieren gelangen weiterhin deutlich häufiger in den illegalen Zugriff als russische: Im Berichtszeitraum wurden etwa 57 % der Verleih-Starts ins Netz geleakt, gegenüber 10 % russischer Filme. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2025 lagen diese Werte bei etwa 70 % bzw. 15 %.
Wie Piraten Blockaden umgehen
Um Blockaden zu umgehen, wenden illegale Plattformen verschiedene Methoden an. Im Januar stellten die Experten von F6 fest, dass auf einigen Piraterie-Ressourcen Inhalte erst nach 18:00 Uhr und an Wochenendtagen zugänglich werden – vermutlich, um die Prüfungen der Regulierungsbehörden während der Arbeitszeiten zu umgehen. Außerdem tarnen sich die Piraten als legale Dienste, indem sie in den Domainnamen die Namen großer Online-Kinos verwenden, was die Identifizierung illegaler Websites erschwert.
Widersprüchliche Daten
In der Formulierung der Quelle zur Dynamik des Anteils der Premieren im Piraterienetz besteht eine Diskrepanz in den Zahlen: Es wird ein Rückgang auf 38 % „gegenüber mehr als 52 % im ersten Halbjahr 2025 und 24 % in 2024 – 48 %“ angegeben. Unklar ist, welcher Wert sich auf das Jahr 2024 bezieht – 24 % oder 48 %, was sowohl ein Tippfehler im Originaltext als auch die Folge unterschiedlicher Zählmethoden in verschiedenen Zeiträumen sein kann. Beachtung verdient auch der scheinbare Widerspruch: Bei sinkendem Anteil der Premieren im Piraterienetz (von 52 % auf 38 %) ist das Gesamtvolumen des Markts für illegales Video dennoch um 4,2 % gestiegen. Dies erklärt sich dadurch, dass verschiedene Metriken verschiedene Aspekte des Markts abbilden – den Anteil neuer Starte und den Gesamtverkehr bzw. das Gesamtvolumen des Konsums, der auch durch die Bibliothek bereits erschienener Filme getragen wird.
Position der legalen Branche
Im Online-Kino Wink wurde darauf hingewiesen, dass die illegale Verbreitung von Inhalten der Rechteinhaber, die den russischen Markt verlassen haben, floriert. Der Geschäftsführer des Dienstes, Anton Wolodjkin, betonte, dass dies sich negativ auf die legale Branche auswirke, und dass das Hauptproblem weiterhin das Fehlen der Möglichkeit sei, im Interesse eines Dritten Beschwerde gegen die illegale Verbreitung von Inhalten einzureichen, wenn der Rechteinhaber selbst nicht im Land tätig ist. Dies schaffe, so seine Worte, ein rechtliches Vakuum, in dem illegale Kopien beliebter ausländischer Filme im offenen Zugriff verblieben.