Am 1. Juli traten in Polen neue Beschränkungen für den Aufenthalt ukrainischer Staatsbürger in Sammelunterkünften in Kraft. Diese Entscheidung stellt einen weiteren Schritt im schrittweisen Auslaufen der staatlichen Hilfe für Menschen dar, die vor dem Krieg geflohen sind. Ab diesem Tag finanziert Polen den Aufenthalt der meisten Ukrainer in speziellen Zentren nicht mehr.
Wer verliert das Recht auf kostenlose Unterkunft
Die Änderungen betreffen einen breiten Personenkreis, einschließlich Angehöriger der sogenannten „sensiblen Gruppe“. Das Innenministerium und die polnische Verwaltung begründeten die Entscheidung damit, dass die Mehrheit der ukrainischen Staatsbürger bereits eine Beschäftigung gefunden hat und die Laufzeit der Sonderhilfe somit abgelaufen ist.
Bisher erhielten rund 11.000 Personen eine kostenlose Unterkunft, die Hälfte davon waren Kinder. Nach Schätzungen der Zentrumsleiter werden die neuen Regeln etwa 40 % der aktuellen Bewohner betreffen. Vor allem alleinerziehende Mütter werden nun gezwungen sein, neue Wohnmöglichkeiten zu suchen.
Risiko der Obdachlosigkeit und Reaktion der Öffentlichkeit
Das Ministerium versicherte, dass schwierige Fälle individuell geprüft werden. Experten äußern jedoch ernste Bedenken. Alexander Petrykow vom Fonds „Ukrainisches Haus“ betont, dass die neuen Kosten für die Miete für viele Flüchtlinge zu hoch sein könnten, was dazu führen könnte, dass Menschen auf der Straße landen.
Auch der polnische Menschenrechtsbeauftragte Marcin Wieczorek warnte vor den Risiken. Er erklärte, dass die Einschränkung des Zugangs zu Wohnraum die Wahrscheinlichkeit von Obdachlosigkeit unter Personen mit vorübergehendem Schutzstatus erhöht.
Als Reaktion auf diese Maßnahmen läuft auf der Website „Dія Демократії“ weiterhin eine Unterschriftensammlung für eine Petition. Die Initiatoren fordern die polnischen Behörden auf, ihre Flüchtlingspolitik anzupassen und denen zu helfen, die in Gefahr geraten sind.
Verschärfte Kontrolle von Arbeitsverträgen
Parallel zu den Änderungen im Wohnungsbereich bereitet sich Polen auf eine Verschärfung der Kontrolle von Arbeitsbeziehungen vor. Ab dem 8. Juli 2026 beginnen im Land verstärkte Überprüfungen von Verträgen ausländischer Arbeitnehmer. Die Arbeitsinspektion erhält die Befugnis, zivilrechtliche Vereinbarungen zwangsweise in offizielle Arbeitsverträge umzuwandeln, wenn bei Inspektionen festgestellt wird, dass Arbeit nach einem Stellenplan verrichtet wird.
Auch der wirtschaftliche Kontext der Änderungen ist wichtig: Zuvor wurde berichtet, dass das Gehaltswachstum in Polen verlangsamt hat. Im ersten Quartal 2026 stiegen sie lediglich um 6,3 %, was den niedrigsten Wert der letzten fünf Jahre darstellt.