Warschau hat offiziell die Gründe genannt, warum die Übergabe von MiG-29-Jagdflugzeugen an die Ukraine bisher nicht stattgefunden hat. Im Fokus stehen nicht nur technische Aspekte der Modernisierung der Technik, sondern auch der innere politische Kampf, in dem der polnische Präsident Karol Nawrocki eine Schlüsselrolle spielt.
Technische und finanzielle Hindernisse
Der stellvertretende polnische Verteidigungsminister Paweł Zalewski enthüllte in einem Interview mit dem Radiosender RMF24 Details zur Situation. Nach seinen Worten ist die ukrainische Seite nicht daran interessiert, die Flugzeuge in ihrem aktuellen Zustand zu erhalten. Kiew hofft auf die Anpassung der Technik an moderne Kampfbedingungen, doch die Frage, wer die Kosten für die Modernisierung tragen soll, bleibt offen.
«Ich bin überzeugt, dass die Ukrainer möchten, dass diese MiGs an modernere Kampfbedingungen angepasst werden. Und von unserer Seite aus gibt es keine Vereinbarung zur Deckung der Kosten», betonte der Vize-Minister.
Zudem sollte die Übergabe der Jagdflugzeuge Teil eines umfassenderen Abkommens sein, das einen Technologietransfer im Bereich der Drohnen beinhaltet. Die Verhandlungen zu diesem Thema sind noch nicht abgeschlossen, was den Prozess ebenfalls verzögert.
Der politische Faktor: Die Rolle von Präsident Nawrocki
Nach Ansicht von Zalewski liegt der Hauptgrund für die Verzögerung jedoch nicht in der Technik, sondern in der Politik. Der Vize-Minister wies direkt auf Präsident Karol Nawrocki als eines der Haupthindernisse für die Umsetzung des Abkommens hin.
«Präsident Nawrocki glaubt, dass das Schüren antiukrainischer Stimmungen ein guter Weg ist, um Wählerstimmen zu gewinnen. Das schadet Polen sehr», erklärte er.
Bereits im Dezember 2025 hatte Nawrocki öffentlich erklärt, dass die Entscheidung über die Übergabe der Flugzeuge ohne seine Zustimmung getroffen wurde, was für Aufsehen sorgte und Anlass zur Kritik an der Regierung gab.
Reaktion auf Ultimaten der Partei «Recht und Gerechtigkeit»
Zalewski kommentierte auch die Aussage des Politikers Przemysław Czarnek von der Partei «Recht und Gerechtigkeit», der vorgeschlagen hatte, die Hilfe für die Ukraine einzustellen, falls Kiew den Namen einer militärischen Einheit nicht ändert.
«Wie sieht er denn die weitere Verteidigung der Ukraine? Wie sieht er den Schutz unserer Interessen, die derzeit an der russisch-ukrainischen Front verteidigt werden? Die polnische Sicherheitslinie ist nicht die Grenze zwischen Polen und der Ukraine. Es ist die russisch-ukrainische Front», unterstrich der Vize-Minister.
Damit betont Warschau, dass die Sicherheit Polens direkt von der Stabilität an der Ostfront abhängt und jegliche Versuche, die militärische Hilfe zu politisieren, den nationalen Interessen schaden.