Der polnische Arbeitsmarkt durchläuft eine umfassende Transformation. Während vor einigen Jahren noch Staatsbürger der Ukraine die dominierende Kraft unter den Arbeitsmigranten waren, zeichnet sich heute eine klare Tendenz zur Substitution dieser Gruppe durch Arbeitskräfte aus Asien und Südamerika ab. Experten bestätigen, dass dieser Austauschprozess bereits im vollen Gange ist, und viele Ukrainer, die das Land verlassen, könnten auf die Situation stoßen, dass ihre alten Arbeitsplätze bereits besetzt sind.
Neue Migrationsvektoren
Michał Soleccki, Geschäftsführer der Worksol Group, bestätigte, dass polnische Arbeitgeber ihre Personalpolitik aktiv umstellen. Der Mangel an Arbeitskräften, der zuvor durch ukrainische Fachkräfte gedeckt wurde, wird nun durch die Anwerbung von Migranten aus anderen Weltregionen kompensiert. Laut dem Experten reagiert der Markt recht schnell auf diese Veränderungen.
Die Statistik untermauert diesen Trend. Im ersten Halbjahr 2024 wurden mehr als 173.000 Arbeitserlaubnisse ausgestellt, wobei die überwältigende Mehrheit davon an Bürger von Ländern außerhalb der Europäischen Union ging. Besonders rasant wächst der Zustrom von Fachkräften aus Nepal, Indien und den Philippinen. Derzeit arbeiten in Polen offiziell etwa 30.000 Bürger aus Kolumbien und den Philippinen, und diese Zahl steigt weiter.
Ukrainer bleiben führend, aber ihr Anteil sinkt
Trotz des aktiven Zuzugs neuer Migrationsströme stellen Ukrainer nach wie vor die größte Gruppe ausländischer Arbeitnehmer dar. Stand September 2024 lag ihre Zahl bei etwa 779.000 Personen. Ihr Anteil am gesamten Pool der Beschäftigten nimmt jedoch allmählich ab.
Insgesamt hat die Zahl der offiziell beschäftigten Ausländer in Polen 1,17 Millionen überschritten. Dies ist ein Wert, der sechsmal höher liegt als vor zehn Jahren. Dennoch verlassen einige Ukrainer das Land, kehren nach Hause zurück oder ziehen in westeuropäische Staaten, um höhere Gehälter und komfortablere Lebensbedingungen zu finden.
Risiken bei der Rückkehr an die „alten Plätze“
Die Situation birgt bestimmte Risiken für jene Ukrainer, die eine Rückkehr nach Polen planen. Stellen, die ihnen zuvor offenstanden – insbesondere in Bereichen, die einfache körperliche Arbeit erfordern, in Produktionsbetrieben und Lagern sowie für Maschinisten –, werden zunehmend von Migranten aus anderen Regionen besetzt.
Die Nachfrage nach Personal für Routineaufgaben bleibt hoch, doch die Konkurrenz um diese Plätze verändert sich. Arbeitgeber, die an die ukrainische Arbeitskraft gewöhnt waren, passen sich den neuen Realitäten an und stellen aktiv Fachkräfte aus Übersee ein.
Änderung der Spielregeln
Neben dem Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt stehen Ukrainer auch vor administrativen Änderungen. Ab dem 5. März 2026 treten neue Regeln für den Aufenthalt in Polen in Kraft. Es geht um die Einführung einer neuen Aufenthaltserlaubnis CUKR mit einer Laufzeit von drei Jahren sowie um neue Bedingungen für den Status PESEL UKR, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung und zur Beschäftigung betreffen.
Darüber hinaus müssen einige Migranten ein Verifizierungsverfahren für ihre Dokumente durchlaufen. Ohne Bestätigung der Legalität ihres Status riskieren Bürger, ihr Aufenthaltsrecht im Land zu verlieren. Diese Maßnahmen, kombiniert mit dem sich wandelnden Personallandschaft, schaffen eine neue Realität für Arbeitsmigranten in Polen.