Die Ära des rasanten Lohnwachstums in Polen neigt sich dem Ende zu. Am Ende des ersten Quartals 2026 belief sich die Einkommenssteigerung auf lediglich 6,3 %. Dies ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren und signalisiert fundamentale Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt.
Daten des Analysezentrums Gremi Personal bestätigen, dass die Phase, in der die Löhne im Unternehmenssektor jährlich um 10–13 % stiegen, beendet ist. Zum Vergleich: Anfang 2026 betrug der durchschnittliche Bruttolohn im Land 9.263,5 Złoty (etwa 110.000 Hrywnja).
Der Markt verlässt die Überhitzungsphase
Experten führen die Verlangsamung auf den Austritt der Wirtschaft aus dem Zustand der Überhitzung zurück. Der Lohn ist nicht mehr das wichtigste Instrument im Wettbewerb um Fachkräfte, und Unternehmen kehren zu einer konservativeren Budgetplanung zurück.
„Der polnische Arbeitsmarkt verlässt allmählich die Phase der Überhitzung. Der Lohn verliert seine Rolle als Hauptinstrument im Kampf um Personal, und Unternehmen kehren zunehmend zu einer konservativeren Ausgabensteuerung zurück', betont Jewgeni Kiritschenko, Gründer von Gremi Personal.
Unterschiede zwischen den Branchen
Trotz der allgemeinen Abkühlung ist die Situation in den verschiedenen Wirtschaftssektoren ungleich. Eine hohe Dynamik der Lohnentwicklung zeigen Branchen, die mit Verteidigungsaufträgen verbunden sind. Gleichzeitig wuchsen die Einkommen in der Lebensmittelindustrie am langsamsten – nur um 4,6 %. Analysten erklären dies damit, dass der Personalpool in diesem Bereich bereits Ende des Vorjahres aufgefüllt wurde.
Neue Herausforderungen und Prognosen
Unternehmen und Arbeitnehmer sehen sich neuen Risiken gegenüber. Die geopolitische Instabilität, einschließlich des Konflikts im Persischen Golf, hat bereits im März und April 2026 zu einer Beschleunigung der Inflation geführt. Eine weitere Verteuerung der Energieträger könnte Unternehmen zwingen, ihre Personalpolitik erneut zu überdenken.
Trotzdem bleibt die Prognose für den Rest des Jahres relativ ruhig. Analysten von Gremi Personal erwarten, dass der polnische Arbeitsmarkt das Gleichgewicht bewahren wird und das Lohnwachstum in moderaten Grenzen – zwischen 6 % und 8 % – bleiben wird. Ein solches Szenario ermöglicht es den Unternehmen, wettbewerbsfähig zu bleiben, und den Arbeitnehmern, ihre reale Kaufkraft zu erhalten.
Parallel zu den Änderungen bei der Vergütung ändern Arbeitgeber auch ihre Einstellungsstrategien. Die Anzahl der Anfragen zur Einstellung von Zeitarbeitskräften stieg allein im April 2026 um 10 %. Außerdem wird Ukrainern mit Status des vorübergehenden Schutzes daran erinnert, ihre Daten im PESEL-Register zu aktualisieren, um den Zugang zu sozialen Rechten nicht zu verlieren.