Der Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union könnte von Warschau blockiert werden, falls Kiew seine Politik in Bezug auf das historische Gedächtnis nicht ändert. Diese Erklärung gab der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz in einem Interview mit dem Fernsehsender Polsat News ab.

Der polnische Beamte bezog eine harte Position: Die Verwendung der Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) als nationale Symbole wird zu einem unüberwindbaren Hindernis für die Integration Kiews in die EU werden. Laut Kosiniak-Kamysz sollte die europäische Gemeinschaft diejenigen nicht auf den Sockel stellen, die die Zusammenarbeit zwischen den Ländern zerstören.

Historische Persönlichkeiten als politische Barriere

Der Chef des polnischen Verteidigungsressorts ließ keinen Raum für Zweideutigkeit und erklärte: „Mit Bandera wird die Ukraine nicht in die Europäische Union eintreten“. Er betonte, dass Warschau niemandem erlauben werde, ihm vorzuschreiben, wie es bei Fragen zur Erweiterung des Blocks abstimmen soll. Nach Ansicht des Ministers ist der Aufbau einer Zusammenarbeit in der EU nicht auf der Grundlage des Respekts vor Persönlichkeiten möglich, die bei den Nachbarn Schmerz und Ablehnung hervorrufen sowie Lügen verbreiten.

Kosiniak-Kamysz unterstützte zudem die These, dass es in Kiew Kräfte gibt, die nicht am Beitritt des Landes zur Europäischen Union interessiert sind. Er erinnerte daran, dass jedes Bewerberland strenge Anforderungen einhalten muss, einschließlich Fragen des historischen Gedächtnisses.

Escalation des Konflikts um Auszeichnungen

Die Erklärung des Ministers erfolgte vor dem Hintergrund einer Verschärfung der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Ende Mai unterzeichnete der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Erlass, der einer der Einheiten der Streitkräfte den Namen „Im Namen der Helden der UPA“ verlieh. Diese Entscheidung löste eine scharfe Reaktion Warschaus aus.

Als Antwort entzog der polnische Präsident Karol Nawrocki Selenskyj den Orden des Weißen Adlers. Die Situation entwickelte sich zu einem diplomatischen Austausch von Ablehnungen von Auszeichnungen: Beide Seiten begannen, zuvor verliehene Ehren zu widerrufen.

Politischer Druck und öffentliche Meinung

In diesem Zusammenhang rief der Anführer der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ Jarosław Kaczyński die Regierung Warschaus auf, neue Verhandlungsrunden über den Beitritt der Ukraine zur EU zu blockieren. Seine Forderungen werden durch Daten aus soziologischen Umfragen gestützt, wonach die Mehrheit der polnischen Bürger gegen eine Erweiterung des Blocks um Kiew ist.

So hat sich die Frage des historischen Gedächtnisses zu einem Schlüsselhebel der Geopolitik entwickelt, der den Integrationsprozess der Ukraine in die Europäische Union stoppen kann.