Auf dem Schlachtfeld bestimmt oft der Preis die Strategie. In einem langwierigen Krieg, in dem Verbrauchsmaterialien eine entscheidende Rolle spielen, verändert das Erscheinen einer erschwinglichen, aber technologisch fortschrittlichen Waffe die Spielregeln. Das deutsche Unternehmen Helsing hat seine Antwort auf russische Kampfdrohnen vorgestellt – das Modell HX-2, das bereits in Tausenden Stück an die ukrainischen Streitkräfte geliefert wird.
Das Hauptargument für die Neuheit ist nicht nur die Effektivität, sondern auch die erstaunlich niedrige Kosten. Laut dem Magazin „Defense Express“ kostet ein einziger loiterender Munitionstyp HX-2 nur 17.000 Euro. Damit steht die deutsche Drohne auf einer Ebene mit den kostengünstigsten Lösungen auf dem Markt, wobei ihre technischen Daten den Konkurrenzprodukten nicht nur gleichwertig sind, sondern sie in manchen Aspekten sogar übertreffen.
Kriegsökonomie: Vergleich mit russischen Modellen
Um das Ausmaß der Ersparnis zu verstehen, lohnt sich ein Vergleich des HX-2 mit dem russischen „Lancet“. Der Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, Serhij Beskrestnov, hatte früher den Preis der „jüngeren“ Version des „Lancet“ („Produkt 52“) mit 40.000 Dollar angegeben. Die leistungsstärkere Variante („Produkt 51“) kostet bereits 68.000 Dollar.
Die Mathematik ist hier einfach und beeindruckend: Die deutsche HX-2 ist mehr als doppelt so günstig wie das russische „Produkt 52“, und im Vergleich zum „Produkt 51“ beträgt der Unterschied fast das 3,5-fache. Gleichzeitig bietet die HX-2 Spezifikationen, die denen der „älteren“ russischen Drohne nahekommen.
- Reichweite: Das russische „Produkt 52“ erreicht Ziele bis zu 50 km entfernt, das „Produkt 51“ bis zu 130 km. Die deutsche Drohne kommt in ihrer Reichweite dem leistungsstärkeren russischen Modell näher.
- Kampflast: Die Nutzlast der HX-2 beträgt 4,5 kg. Zum Vergleich: Beim „Produkt 52“ sind es 3 kg, beim „Produkt 51“ etwa 5 kg. Die deutsche Drohne nimmt eine solide Zwischenposition ein.
Künstliche Intelligenz und Schwarmtaktik
Niedrige Kosten bedeuten nicht eine vereinfachte Konstruktion. Im Gegenteil: Die HX-2 ist mit einem fortschrittlichen Kampfkünstlichen Intelligenzsystem ausgestattet. Dies ermöglicht der Drohne, auch unter Bedingungen intensiver elektronischer Gegenmaßnahmen funktionsfähig und präzise zu bleiben, wenn die Verbindung zum Operator gestört sein könnte.
Ein weiteres strategisches Vorteil ist die Integration mit dem von Helsing entwickelten Steuerungssystem Alta. Dies eröffnet den Weg zur Anwendung von Schwarmtaktiken, bei denen Drohnengruppen koordiniert agieren, die Luftabwehr des Gegners überlasten und massive Angriffe führen.
Produktionsumfang und Wettbewerb
Das Potenzial der deutschen Produktion ist enorm. Zuvor hatte Helsing einen Vertrag mit der Bundeswehr über die Lieferung von 4.300 HX-2-Drohnen im Wert von 270 Millionen Euro abgeschlossen. Experten gehen davon aus, dass dieser Betrag nicht nur die Geräte selbst, sondern auch Startsysteme, Software, Logistik und Schulung umfasst, was die tatsächliche Erschwinglichkeit eines einzelnen Produkts unterstreicht.
Andererseits muss Russland auf das Auftreten solcher Konkurrenten reagieren. Der Wettbewerb innerhalb des russischen Rüstungskomplexes und das Erscheinen neuer Modelle wie der gelenkte Munitionstyp „KUB-10ME“ vom Konzern „Kalaschnikow“ mit einer Reichweite von über 100 km zeugen vom Bestreben, die Selbstkosten von Kampfdrohnen zu senken. Doch bisher scheint die deutsche Lösung das ausgewogenste Verhältnis von „Preis-Leistung“ für die Bedürfnisse der ukrainischen Armee zu bieten.