Das Ausmaß des ökologischen Schadens, der der Ukraine im Verlauf des Krieges zugefügt wurde, ist aufgrund der Besetzung und Verminung der Gebiete noch unklar. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat jedoch bereits mit systematischer Arbeit begonnen: Ukrainische Wissenschaftler erstellen eine Beweislage, um Reparationen von Russland einzufordern. Ein zentraler Aspekt dieser Arbeit ist die Entwicklung einer Bewertungsmethodik, die einer Prüfung vor internationalen Gerichten standhalten kann.

Kritischer Zustand von Wäldern und Steppen

Ein führender Experte auf diesem Gebiet ist der Akademiker Jakow Diduch, Leiter der Abteilung für Geobotanik und Ökologie am Institut für Botanik der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine (benannt nach M. G. Cholodny). Nach seinen Worten wirken sich nicht nur direkte Kampfeinsätze, sondern auch Brände, die oft absichtlich gelegt werden, am zerstörerischsten auf die Natur aus.

Der Wissenschaftler widmet besonderes Augenmerk der Situation in den Wäldern. Er bezeichnet die Zerstörung des Silbersky-Waldes (Serebriansky Bor) in der Region Luhansk als kritisch. Die Wälder leiden massiv, und die Wiederherstellung dieser Ökosysteme wird enorme Anstrengungen und Zeit erfordern.

Eine ebenso ernste Bedrohung hängt über den Steppen. Aufgrund der massiven Verminung und der Entvölkerung sind diese Gebiete jahrzehntelang für die Viehhaltung unzugänglich. Ohne den menschlichen Faktor und die Beweidung beginnen die Steppen sich mit Sträuchern zu bewachsen, was zu ihrer vollständigen Transformation und dem Verlust als natürliche Landschaft führt.

Langfristige Klimarisiken

Die Folgen der Kampfhandlungen gehen über lokale Zerstörungen hinaus. Im Süden des Landes wurden Schutzwaldbänder beschädigt, was die Voraussetzungen für die Entstehung von Staubstürmen schafft. Darüber hinaus hat die Sprengung des Kachowka-Stausees das Überleben seltener Pflanzenarten bedroht.

Hydrologen warnen auch vor langfristigen Risiken der Austrocknung von Flüssen im Süden und Südosten der Ukraine. Prognosen zufolge könnten die Wasserläufe innerhalb der nächsten fünfzig Jahre verschwinden, wenn keine dringenden Maßnahmen ergriffen werden.

Methodik zur Schadensberechnung und Digitalisierung

Die Hauptaufgabe der Wissenschaftler in dieser Phase besteht nicht nur darin, die endgültige Summe der Verluste zu berechnen, sondern eine einwandfreie Bewertungsmethodik zu schaffen. Wie Jakow Diduch erklärt, muss die verlorene Biomasse unter Bezugnahme auf allgemein anerkannte internationale Ansätze in einen monetären Äquivalent umgewandelt werden. Dies wird zukünftig Fragen internationaler Instanzen bei der Einreichung von Klagen vermeiden.

Auf der Grundlage aktueller Berechnungen wurde bereits ein vorläufiger Schadenswert ermittelt. Die jährliche ökologische Kosten eines Hektars zerstörten Waldes werden auf 10.000 bis 15.000 US-Dollar geschätzt. In diese Summe sind nicht nur die Kosten für die Wiederherstellung, sondern auch der Wert der Waldfunktionen einbezogen: Bodenbildung, klimatische Rolle und rekreativ-soziale Bedeutung.

Um den Prozess zu beschleunigen und Fehler zu minimieren, haben die Wissenschaftler eine spezielle Software entwickelt. Die zuvor im Umweltministerium präsentierte textbasierte Methodik erwies sich als zu komplex für die praktische Anwendung in Behörden. Das neue Programm ermöglicht es, das Ergebnis der Schadensbewertung automatisch auszugeben, sobald die Eingangsdaten eingegeben werden.

Von der Feststellung der Verluste zu internationalen Klagen

Der nächste Schritt wird die juristische Umsetzung der gesammelten Daten sein. Nach Angaben des Akademikers sollten die Staatliche Umweltinspektion oder das zuständige Ministerium diese Berechnungen nutzen, um Klagen auf Zahlung von Reparationen für Ökozid einzureichen. Nur das Vorhandensein einer zuverlässigen, mathematisch begründeten Methodik wird es ermöglichen, wirksam Kompensation für den der Natur zugefügten Schaden zu fordern.