Im Jahr 2026 hat die Privatbank einen anhaltenden Anstieg einer der technisch anspruchsvollsten Methoden zur Geldbetrug verzeichnet – NFC-Relay-Angriffe. Laut Natalja Figol, Leiterin der Abteilung Fraud-Management der Bank, lesen Betrüger die Zahlungsdaten von Kundenkarten auf Distanz aus, indem sie das Opfer dazu bringen, seine physische Karte an das eigene Smartphone zu halten. Die Methode, die die Bank erstmals 2025 identifizierte, hat sich in diesem Jahr auf ein neues Ausmaß der Verbreitung ausgeweitet und ist zu einer der Prioritäten der Betrugserkennungsabteilung geworden.

Ablauf des Angriffs: vom Messenger bis zum Geldautomaten

Das Szenario eines NFC-Relay-Angriffs folgt dem klassischen Modell der Social Engineering. Der Betrüger kontaktiert das Opfer unter dem Vorwand eines „Updates der Bank-App“ oder einer „Sicherheitsprüfung“. Anschließend wird dem Opfer angeboten, eine fremde Anwendung – Schadsoftware – aus einem Messenger oder einer unbekannten Website herunterzuladen. Nach der Installation des Programms wird das Opfer gebeten, den entscheidenden Schritt auszuführen: die physische Bankkarte an das Smartphone zu halten und den PIN-Code einzugeben. Die spezialisierte Software liest in diesem Moment die Zahlungsdaten über den NFC-Modul des Telefons auf Distanz aus, woraufhin die Betrüger sofort Bargeld am Geldautomaten abheben oder Zahlungen in Geschäften tätigen. Die gesamte Kette vom ersten Anruf bis zum Diebstahl des Geldes dauert nur wenige Minuten.

Stellungnahme der Bank und Sicherheitsregeln

„Es ist sehr wichtig, solche Versuche erkennen zu können. Die Bank bittet niemals darum, fremde Dateien aus Messengern herunterzuladen oder die Karte zum „Schutzcheck“ oder „Scannen“ am Smartphone anzulegen. Wir empfehlen außerdem, Software ausschließlich aus offiziellen Quellen – App Store/Google Play – zu installieren“, betonte Natalja Figol. Die Privatbank erinnert ausdrücklich daran: Mitarbeiter von Finanzinstituten bitten Kunden niemals, ihre Karte zum „Scannen“ am Smartphone anzulegen, und verlangen auch nie die Installation fremder Dateien. Der einzige sichere Kanal zum Herunterladen von Apps bleiben die offiziellen Stores – App Store und Google Play.

Statistik: weniger Angriffe, aber größerer Schaden

Die von der Nationalbank der Ukraine veröffentlichten Makroindikatoren für das Jahr 2025 bestätigen den strategischen Wandel in der Taktik der Cyberkriminellen. Die Zahl der illegalen Transaktionen mit Zahlungskarten im Land ging um 5 % auf 256.000 Fälle zurück. Der Gesamtschaden stieg jedoch um 24 % auf 1,4 Mrd. Hrywnja, und der durchschnittliche „Betrag“ einer betrügerischen Transaktion erhöhte sich um 30 % auf 5.536 Hrywnja. Diese Zahlen belegen, dass die Betrüger nicht auf die Masse der Angriffe, sondern auf deren technische Komplexität und Wirksamkeit setzen. Genau dieser Logik entspricht die NFC-Relay-Methode, die es ermöglicht, bei einer einzigen Transaktion große Beträge abzuheben, ohne die Aufmerksamkeit der Überwachungssysteme auf sich zu ziehen.

Kontext: NFC-Betrug als globaler Trend

Angriffe mit NFC-Technologie beschränken sich nicht auf den ukrainischen Markt. Parallel dazu verzeichnen Strafverfolgungsbehörden in anderen Jurisdiktionen ähnliche Schemata: So identifizierte das russische Innenministerium den Diebstahl von Daten eines Online-Banks über den NFC-Modul eines fremden Telefons, und russische Medien berichteten im Juli 2026 über neue Methoden der Geldabhebung über ein Smartphone. Dies zeigt, dass NFC-Relay-Angriffe Teil eines globalen Trends zur steigenden technischen Komplexität des Finanzbetrugs geworden sind, in dem künstliche Intelligenz und spezialisierte Schadsoftware es Kriminellen ermöglichen, selbst die komplexesten Phasen eines Angriffs zu automatisieren.