Im Juli wird die ukrainische Währung voraussichtlich weiterhin moderatem Druck ausgesetzt sein, jedoch prognostizieren Experten keine plötzlichen Kurssprünge. Die wichtigsten Markttreiber bleiben unverändert: die Nachfrage nach Devisen, das Volumen der internationalen Finanzierung, die Inflationserwartungen und die geopolitische Lage.
Diese Prognose gab Taras Lesowoi, Direktor der Abteilung für Finanzmärkte und Investitionstätigkeit der «Globus Bank», in einem Kommentar an RBC-Ukraine ab.
Korridore für Dollar und Euro
Das Basisszenario für Juli geht davon aus, dass der US-Dollar-Kurs zwischen 44,5 und 45,5 Hrywnja schwanken wird. Der Experte betont, dass es trotz des Einflusses von militärischen und wirtschaftlichen Faktoren derzeit keine Grundlage für chaotische Währungsbewegungen gibt.
Die aktuelle Politik der Nationalbank der Ukraine (NBU) wird als Regime der «gesteuerten Flexibilität» beschrieben. Das bedeutet, dass der Regulierer eine Reaktion des Kurses auf Marktveränderungen zulässt, jedoch plötzliche und unvorhersehbare Schwankungen eindämmt. Eine zusätzliche Orientierung bietet der Entwurf des Staatshaushalts für 2026, in dem der gewichtete Durchschnittskurs des Dollars auf 45,7 Hrywnja angesetzt ist. Nach Ansicht von Lesowoi bestätigt dies, dass eine Bewegung im Bereich von 45 Hrywnja den makroökonomischen Erwartungen des Staates entspricht.
Die Prognose für den Euro ist weniger eindeutig. Es wird erwartet, dass die europäische Währung im Bereich von 51 bis 53 Hrywnja gehandelt wird. Auf diesen Kurs wirken zwei Faktoren ein: das Verhältnis der Hrywnja zum Dollar im Inland und das internationale Paar Euro/Dollar. Wenn letzteres im Bereich von 1,14–1,18 bleibt, wird der Euro den prognostizierten Korridor nicht wesentlich überschreiten.
Vier Faktoren, die den Markt bestimmen
Taras Lesowoi hat vier Schlüsselfaktoren identifiziert, die die Situation auf dem Devisenmarkt im Juli bestimmen werden:
- Nachfrage der Importeure: Unternehmen, die Kraftstoff, Energieausrüstung und andere kritisch wichtige Güter einkaufen, bilden einen erheblichen Teil der Nachfrage nach Devisen.
- Internationale Finanzierung: Regelmäßige Zahlungen von Partnern unterstützen den Staatshaushalt, die Reserven der NBU und die allgemeine makrofinanzielle Stabilität.
- Inflationserwartungen: Wenn Unternehmen und Bevölkerung mit einem schnellen Preisanstieg rechnen, stimuliert dies die Nachfrage nach Devisen als Instrument zur Wahrung der Ersparnisse.
- Militärische Risiken: Angriffe auf kritische Infrastruktur, Energieversorgung oder Logistik bleiben der unvorhersehbarste Faktor, der die Marktstimmung schnell verändern kann.
Szenarien für die Aufwertung und Alternativen für Einleger
Der Experte ist der Ansicht, dass Szenarien mit einer Aufwertung des Dollars auf 47 oder sogar 50 Hrywnja im Juli derzeit keine ausreichende wirtschaftliche Grundlage haben. Eine solche Entwicklung ist nur möglich, wenn mehrere Schlüsselfaktoren gleichzeitig verschlechtern: Probleme bei der Finanzierung, ein starker Anstieg der Nachfrage nach Devisen, steigende Kraftstoffpreise und eine erhebliche Verschärfung der Sicherheitslage. Derzeit wird dieses Szenario als hypothetisch eingestuft.
Was die Geldanlage betrifft, rät Lesowoi, sich nicht ausschließlich auf Devisen zu verlassen. Nach seinen Worten bleiben Hrywnja-Einlagen mit Zinssätzen von 14–17,5 % pro Jahr sowie Obligationen der innerstaatlichen Staatsanleihe (OVHZ) aufgrund ihrer steuerlichen Vorteile eine wettbewerbsfähige Alternative zum passiven Halten von Dollar.
Prognose für die kommende Woche
Der Devisenmarkt wird laut Expertenprognose in der nächsten Woche relativ ruhig bleiben. Erwartete Bereiche:
- Interbankenmarkt: Dollar — 44,6–45,25 Hrywnja, Euro — 51–52,5 Hrywnja.
- Bargeldmarkt: Dollar — 44,5–45,2 Hrywnja, Euro — 51–52,5 Hrywnja.
Die durchschnittlichen wöchentlichen Abweichungen werden wahrscheinlich 1–1,5 % der Startwerte nicht überschreiten, und die Differenz zwischen den Kursen des Interbankenmarktes und des Bargeldmarktes wird minimal bleiben.
Hinweis: Dieses Material wurde ausschließlich zu Informationszwecken erstellt und stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar. Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich der Möglichkeit des vollständigen Verlusts des Kapitals. Vor der Entscheidung über finanzielle Maßnahmen wird empfohlen, einen lizenzierten Berater zu konsultieren.