Der Kommentator und Experte von Sport RBC.UA, Kirill Krutorogow, hat seine Erwartungen an die neue Saison der ukrainischen Premier-Liga geteilt. In seiner Kolumne analysierte der Spezialist die Aussichten der großen Favoriten und legte dabei den Fokus darauf, wie die Teilnahme an europäischen Wettbewerben den Kampf um die Goldmedaille beeinflussen könnte.

„Dynamo“ Kiew: Ambitionen versus Realität

Für den kiewischen „Dynamo“ war die vergangene Saison schwierig. Der vierte Platz in der Meisterschaft ist aus Sicht des Experten ein eklatanter Misserfolg. Der einzige Trost war der Gewinn des Ukrainischen Pokals, der der Mannschaft einen Titel und einen Platz in der Europa League einbrachte.

Auf dem Papier sieht der Kader der „Weiß-Blauen“ stark genug aus, um um den zweiten Platz und theoretisch sogar um die Meisterschaft zu kämpfen. Doch die Spielqualität der Kiewer wirft Fragen auf. Selbst in den Qualifikationsrunden der Europapokale, in denen oft Sensationen passieren, wirken die Dynamo-Spieler nicht konkurrenzfähig.

Krutorogow weist auf eine paradoxe Situation hin: Die Conference League könnte der Mannschaft im Ligabetrieb sogar schaden. Wenn „Dynamo“ „Qarabağ“ nicht bezwingen kann, könnte das sogar ein Vorteil sein, da mehr Zeit für die nationalen Aufgaben frei würde. Dennoch ist der Experte der Meinung, dass der Turniertitel für die Kiewer in dieser Saison der dritte Platz sein wird, was kaum als Fortschritt bezeichnet werden kann.

„Schachtar“: Die Champions League als Risikofaktor

Der dонецkische „Schachtar“ sicherte sich in der vergangenen Saison souverän die Goldmedaille, obwohl das Spiel nicht immer spektakulär war. Die Mannschaft litt unter schwerer Ermüdung aufgrund einer langen Kampagne in der Conference League und schwieriger Logistik.

In der neuen Saison werden die „Bergleute“ im Traumturnier, der Champions League, antreten. Der direkte Einzug zwingt die Mannschaft bereits jetzt, sich mental auf der europäischen Bühne zu befinden. Die Legionäre werden versuchen, sich zu beweisen, um ihre Positionen auf dem Transfermarkt zu verbessern.

Die Gegner in der CL werden von erstklassigem Niveau sein, und dies wird sich unvermeidlich auf die Ergebnisse in der Liga auswirken. Darüber hinaus werden die logistischen Schwierigkeiten bestehen bleiben. Genau diese Faktoren könnten „Schachtar“ nach Meinung von Krutorogow daran hindern, den Titel zu verteidigen.

„Polissja“ und LNZ: Wer wird den Anführern die Stirn bieten?

Das „Polissja“ aus Schytomyr unter der Leitung von Ruslan Rotan zeigt Fortschritte. Im Sommer stabilisierte der Klub den Kader, entließ unpassende Spieler und verstärkte sich gezielt. Auf dem Papier sind die „Wölfe“ in der Lage, Punkte gegen jeden Gegner zu gewinnen.

Das Fehlen im Hauptteil der Conference League, im Gegensatz zur Teilnahme von „Schachtar“ in der CL, könnte ein Vorteil für die Schytomyrer sein. Der Experte glaubt, dass „Polissja“ versuchen wird, „Schachtar“ im Kampf um die Meisterschaft herauszufordern, und ein Platz auf der zweiten Stufe des Podiums ein Beweis für ihr Wachstum sein wird.

Der LNZ aus Tschernihiw überraschte in der vergangenen Saison alle mit dem zweiten Platz. Die Mannschaft zeigte Stabilität über eine lange Distanz. In der Transferperiode wurde der Klub nicht schwächer, und die Spiele gegen „Gent“ in der Conference League verdienten Lob, trotz der Niederlage im Elfmeterschießen.

LNZ ist in der Lage, einen besseren Fußball zu zeigen als in der vergangenen Saison, was den Kampf um Silber und Bronze extrem spannend machen wird.

„Charkiw“ und „Karpaty“: Neue Akteure im Rennen

„Metalist 1925“, der seinen Namen in „Charkiw“ geändert hat, zeigt hervorragende Arbeit in Sachen Transferpolitik und Marketing. Mit dem Kader und den Bedingungen hat der Klub alles, um um Bronze zu kämpfen. Allerdings war das Spiel in der vergangenen Saison zu pragmatisch, was sich nicht immer in Punkte umsetzen ließ.

„Karpaty“ mit dem neuen Trainer Fran Fernandez kamen zunächst ins Stocken, begannen dann aber, Fahrt aufzunehmen. In der Transferperiode schlossen sich Akademiespieler von „Real Madrid“, „Atlético Madrid“, „Real Sociedad“ und „FC Barcelona“ der Mannschaft an. Diese Verstärkung könnte ein Schlüsselfaktor für die Verbesserung der Ergebnisse der Lemberger sein.