Im Verlauf der Kampfhandlungen im Osten der Ukraine ereignete sich ein einzigartiger Vorfall, der einen Meilenstein in der Entwicklung militärischer Technologien darstellt. Vor zwei Jahren, unter strengster Geheimhaltung, fügten ukrainische unbemannte Fluggeräte mit vollständig autonomer künstlicher Intelligenz russischen Streitkräften erstmals einen erfolgreichen Schlag zu. Über dieses einzigartige Experiment berichtete Alexander Chochanowski, Geschäftsführer des Herstellers Aero Center.
Geheime Tests im Raum Bachmut
Die Operation fand im Höhepunkt eines der Gegenoffensiven der Streitkräfte der Ukraine (AFU) in der Region der Städte Bachmut und Chasow Jar statt. Am Test nahmen 10 Quadrocopter teil, die zuvor auf die Ausführung einer komplexen Mission programmiert worden waren. Die Geräte mussten eigenständig eine Distanz von 3 bis 5 Kilometern überwinden, was etwa 10 Minuten Flugzeit in Anspruch nahm.
Beim Eintreffen am Zielort wurde auf den Drohnen ein Modus namens „Terminator' aktiviert. In diesem Modus wechselten die unbemannten Fluggeräte in die vollständige Autonomie: Sie suchten und griffen eigenständig feindliche Objekte im vorgegebenen Sektor an. Aufgrund der Spezifika der Mission arbeiteten die Geräte unter Funkstille, sodass keine direkte Videoübertragung oder Aufzeichnung des Angriffszeitpunkts stattfand.
Bestätigung des Erfolgs und rechtliche Hürden
Die Ergebnisse des Systems wurden später dokumentiert. An den Ort des Anschlags wurden Standard-Aufklärungsdrohnen unter Kontrolle von Piloten entsandt. Diese bestätigten die Zerstörung von Technik, die Liquidation mehrerer russischer Soldaten sowie einen beschädigten Lastwagen. Dies ermöglichte den eindeutigen Schluss auf die Funktionsfähigkeit des vollständig autonomen Systems.
Dennoch wurde die Technologie trotz des Erfolgs nicht für den Masseneinsatz eingeführt. Alexander Chochanowski betonte, dass es sich um ein einzigartiges Kampffeldexperiment handelte. Solche Tests bleiben eine Ausnahme aufgrund schwerwiegender rechtlicher und praktischer Einschränkungen:
- Vollständige Autonomie birgt Risiken von „Friendly Fire' oder zufälligen Angriffen auf zivile Objekte.
- Es ist eine extrem komplexe Vorplanung erforderlich.
- In der UNO fehlt eine einheitliche internationale Definition von tödlichen autonomen Waffensystemen.
Die ukrainische Regierung und das Verteidigungsministerium verbieten offiziell den Einsatz von KI in der abschließenden Phase der Interzeption und Zerstörung eines Ziels. Militärische Kommandeure bestätigen, dass unter realen Kampfbedingungen nur halbautonome Systeme eingesetzt werden. Die endgültige Entscheidung über das Feuer bleibt immer beim menschlichen Operator, was den Normen des internationalen humanitären Rechts entspricht.
Neuer Vektor: das Luftabwehrsystem ALITA
Aufgrund gesetzlicher Verbote erhielt das Projekt „Terminator' keine weitere Entwicklung. Alexander Chochanowski leitete das neue Unternehmen Aero Center, das sich derzeit mit der Entwicklung eines innovativen Luftabwehrsystems namens ALITA befasst.
Das System wird zur Interzeption und Zerstörung russischer Kamikaze-Drohnen vom Typ „Schahed', Aufklärungsdrohnen und sogar Hubschrauber entwickelt. Das System wird aus 16 Startplattformen mit 64 schnellen Abfangdrohnen bestehen. Sie können automatisch starten, sobald eine Bedrohung erkannt wird, und mit Geschwindigkeiten von bis zu 450 km/h auf das Ziel zufliegen.
Vermutlich wird die robotisierte Batterie im Oktober einsatzbereit sein. Trotz des hohen Automatisierungsgrades wird das System das ukrainische Gesetz strikt einhalten: Den endgültigen Befehl zum Rammen oder Zerstören einer feindlichen Drohne wird ein Operator erteilen. Für die Steuerung des gesamten Komplexes mit 64 Drohnen werden jedoch nur zwei Personen benötigt, was den Personalbedarf um 70-80 % senkt.
Technologischer Wettkampf
Die ukrainische Rüstungsindustrie setzt auf das Training kleiner KI-Modelle auf kompakten Datenbanken. Dies ermöglicht den Einsatz komplexer Software auf kostengünstigen Mikrochips, die direkt an FPV-Drohnen und Bodenrobotern installiert werden.
Parallel versucht auch Russland, diese Technologien einzuholen. Nach vorliegenden Daten wurden einige Modifikationen von Angriffsdrohnen vom Typ „Geran-2' mit schmuggelten Mikrocomputern Nvidia Jetson Orin ausgestattet, um die Autonomie ihrer Systeme zu erhöhen.