In der polnischen Stadt Posen ereignete sich ein vielbeachteter Vorfall, der mit der angespannten Beziehung zwischen Polen und Ukrainern zusammenhängt. Am 3. Juli verhaftete die Polizei zwei Männer, die versuchten, eine Provokation im Büro einer ukrainischen Unternehmerin zu inszenieren. Der Vorfall ereignete sich im Gebäude der Wirtschaftsuniversität, wo die Frau Räumlichkeiten für ihr Unternehmen angemietet hat.
Details der Provokation
Zwei Unbekannte betraten das Gebäude und begannen einen aggressiven Dialog mit der Büronutzerin. Nach vorliegenden Informationen versuchten die Männer, unter dem Vorwand einer „Inspektion“ in die Räumlichkeiten einzudringen, wobei sie die Frau filmten. Ihre Fragen waren provokativer Natur: Sie fragten, ob das Unternehmen von Natalja Fedorjak Stepan Bandera unterstützt.
Trotz des Drucks ließ die Frau sie nicht ins Büro und rief die Polizei. Auf den von den Provokateuren gemachten Aufnahmen behaupteten sie, dass „die Ukraine feindselig gegenüber Polen eingestellt ist“. Natalja Fedorjak, Inhaberin des Unternehmens Prolegalization, das sich mit der Legalisierung von Ausländern befasst, bewahrte die Ruhe.
Verbindung zu rechtsextremen Kreisen
Nach Angaben polnischer Medien stehen die festgenommenen Männer in Verbindung mit der rechtsextremen Partei KKP (Konföderation – Klub der Konservativen Politik), deren Anführer Grzegorz Braun ist. Der Politiker ist für seine radikale Rhetorik, die Blockade der ukrainisch-polnischen Grenze und ständige Auftritte gegen die Anwesenheit ukrainischer Flüchtlinge im Land bekannt.
Reaktion der Betroffenen und Ermittlungen
Natalja Fedorjak erklärte ihre Gelassenheit als natürliche Schutzreaktion: „Ich wusste, dass Panik und Stress mir nicht helfen würden. Ein Mensch muss sich verteidigen, sachlich reagieren und sich auf keine Provokationen einlassen“.
Die Polizei hat ein Verfahren wegen Verleumdung und Veröffentlichung einer Aufnahme eingeleitet, die die Betroffene herabsetzen könnte. Gegen beide Verdächtige wurden Anklagepunkte erhoben, die ihnen eine Geldstrafe, Freiheitsentzug oder eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr drohen lassen. Zudem wurde den Männern offiziell verboten, sich der Frau zu nähern. Die Verdächtigen haben ihre Schuld nicht eingestanden.
Politischer Kontext
Der Vorfall in Posen ereignet sich vor dem Hintergrund einer allgemeinen Verschärfung der Lage. In Polen wird aktiv ein Gesetz zur „Wolhynien-Katastrophe“ vorbereitet, was in Kiew Besorgnis ausgelöst hat. Das ukrainische Außenministerium hat Warschau bereits aufgefordert, von neuen Schritten abzusehen, die den Konflikt eskalieren könnten. Zuvor hatte der Leiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes, Kyrylo Budanow, gewarnt, dass Polen eine Reihe von „unreifen eskalierenden Schritten“ vorbereitet.
Gleichzeitig diskutiert das polnische Verteidigungsministerium die Frage der Bereitstellung von MiG-29-Jagdflugzeugen für die Ukraine, und die Regierung veröffentlichte Listen der militärischen Hilfe, die der Ukraine in den Jahren 2022–2023 geleistet wurde. Somit war die Provokation im Büro der Unternehmerin nur einer von vielen Spannungspunkten in der komplexen bilateralen Agenda.