In der Oblast Odessa endete einer der schwierigsten Tage in der Geschichte des ukrainischen Schulwesens. Mehr als 800 Bewerber legten den nationalen Mehrfachfachtest (NMT) erst nach 19 Uhr ab. Grund für die Verzögerung waren anhaltende Luftalarme, die den Betrieb der Prüfungszentren den ganzen Tag über unterbrachen.
Risiko oder Wunsch: Warum die Abiturienten nicht nach Hause gingen?
Laut offiziellen Regeln muss eine Prüfung auf eine zusätzliche Sitzung vom 16. bis 24. Juli verschoben werden, wenn die kumulierte Dauer der Gefahr während des Tests zwei Stunden und dreißig Minuten überschreitet. Die meisten Schüler in der Region verzichteten jedoch auf dieses Recht.
Der Leiter des regionalen Bildungs- und Wissenschaftsdepartements, Alexander Lonchak, teilte mit, dass die Entscheidung, die Prüfung am selben Tag fortzusetzen, freiwillig getroffen wurde. Die Bewerber reichten schriftliche Erklärungen bei den Leitern der Prüfungszentren ein, in denen sie ihren Wunsch äußerten, die Testung nicht fast zwei Monate hinauszuzögern.
— Dies war ausschließlich der Wunsch der Kinder. Sie wollten nicht in anderthalb Monaten erneut eine Testung ablegen und äußerten daher den Wunsch, das Schreiben fortzusetzen, — erklärte Lonchak.
Prüfung in den Kellern: Wie der Ablauf verlief
In der Oblast Odessa gibt es 63 Prüfungszentren. Etwa die Hälfte davon ist für den Betrieb in Bunkern ausgestattet. Während der letzten Prüfung wurde die Testung direkt in Schutzräumen in neun Einrichtungen organisiert.
Das Besondere an der Situation im regionalen Zentrum ist, dass während der Bedrohung durch Beschuss die Schulkeller nicht nur für die Abiturienten, sondern auch für die lokale Bevölkerung als Schutzraum dienen. Dies erschwerte die Organisation des Unterrichts zusätzlich.
Reaktion der Behörden und Probleme in den Grenzregionen
Häufige Störungen des Unterrichts zwangen die regionalen Behörden, ein Schreiben an das zuständige Ministerium zu richten. Die Beamten bitten um erleichterte Zulassungsbedingungen für Bewerber aus der Region, die sich in einem Kriegsgebiet befinden.
— Ich werde mich mit der Bitte um Erleichterung der Bedingungen für Kinder aus den Grenzgebieten, insbesondere der Oblast Odessa, wenden. Die endgültige Entscheidung liegt jedoch beim Bildungs- und Wissenschaftsministerium der Ukraine, — betonte Lonchak.
Diese Erklärungen kamen nach Berichten in sozialen Medien vom 8. Juni zustande, in denen Angehörige der Bewerber ihre Unzufriedenheit mit der Organisation des Prozesses zum Ausdruck brachten. Sie stellten fest, dass die Jugendlichen aufgrund ständiger Warnsignale vom frühen Morgen bis spät in den Abend in den Prüfungsorten bleiben mussten.
Ausblick: Alternativen zur NMT
Aufgrund der Schwierigkeiten bei der Durchführung des nationalen Mehrfachfachtests erwägt das Bildungs- und Wissenschaftsministerium der Ukraine die Möglichkeit, die Liste ausländischer Prüfungen zu erweitern. Die Ergebnisse nationaler Prüfungen anderer Länder könnten ab 2026 als Alternative zur NMT für die Zulassung zu ukrainischen Hochschulen anerkannt werden.