Der Krieg ist nicht nur die Konfrontation bewaffneter Kräfte auf dem Schlachtfeld. Es ist auch ein Kampf um die Köpfe und Nerven der Zivilbevölkerung. Andrei Jusow, Sprecher des Hauptnachrichtendienstes des Verteidigungsministeriums der Ukraine, hat einen neuen Aspekt der Taktik des Gegners enthüllt: Die Demonstration der Bereitschaft zu einem Schlag, gefolgt von der Verschiebung des Angriffs. Nach seinen Worten ist dies kein Zufall, sondern ein durchdachtes Element des psychologischen Drucks.
Taktik der „Geisterangriffe'
Während eines Vortrags auf dem internationalen Forum „Architektur der Sicherheit' betonte Jusow, dass Russland direkte militärische Einwirkung mit Methoden kombiniert, die darauf abzielen, den moralischen Geist der Ukrainer zu schwächen. „Natürlich ist dies auch ein Element des Drucks und der psychologischen Einwirkung – die Bereitschaft zu Beschuss zu demonstrieren, ihn dann hinauszuzögern und zu verschieben. Es ist klar, dass dies die Taktik des Feindes ist: die direkte militärische Einwirkung mit der psychologischen Einwirkung auf die Ukrainer zu kombinieren', so Jusow.
Diese Strategie zielt darauf ab, die Bevölkerung in einem Zustand ständiger Anspannung zu halten. Menschen, die eine Warnung vor einem möglichen Angriff hören, müssen sich in Schutzräumen verstecken, Dinge verschieben und Schlaf verlieren – selbst wenn der Schlag nie kommt. Solche Signale können nicht ignoriert werden: Der Preis eines Fehlers ist zu hoch.
Ermüdung als Waffe des Gegners
Jusow erinnerte daran, dass Ukrainer bereits seit mehr als vier Jahren unter den Bedingungen eines umfassenden Krieges leben. Die angesammelte Müdigkeit, Angst und Furcht – all dies wird zu einem Faktor, auf den Russland setzt. Psychologischer Druck verstärkt die Wirkung realer Schläge und macht das Leben noch schwerer.
Trotzdem bereiten sich die Sicherheits- und Verteidigungskräfte der Ukraine weiterhin auf jeden möglichen Beschuss vor. Der Nachrichtendienst sammelt aktiv Informationen, analysiert Bedrohungen und übermittelt Daten an die militärisch-politische Führung. Die Bürger werden aufgefordert, die Signale der Luftalarme ernst zu nehmen und Sicherheitsmaßnahmen nicht zu vernachlässigen.
Rekordangriff und neue Bedrohungen
Die Erinnerung an die Realität der Bedrohungen ist besonders relevant nach den Ereignissen in der Nacht vom 24. Mai. Dann führte Russland einen der größten Luftangriffe seit Beginn des Krieges durch. Auf Kiew und die Region wurden 90 Raketen verschiedener Typen – einschließlich der ballistischen Mittelstreckenrakete „Oreshnik' – und 600 Kampfdrohnen abgefeuert.
Für die Hauptstadt war dieser Beschuss rekordverdächtig in Bezug auf die Anzahl der beschädigten Objekte seit Beginn der Invasion. In jedem Stadtteil wurden Folgen des Angriffs registriert. Drei Menschen starben, fast 90 wurden verletzt.
Später warnten Präsident Wolodymyr Selenskyj und das Verteidigungsministerium vor der Gefahr neuer Angriffe Ende Mai. Die Bewohner, insbesondere die Kiewer, wurden aufgefordert, am 30. und 31. Mai besonders aufmerksam zu sein und die Sicherheitsregeln strikt einzuhalten.
Ressourcen des Gegners und Perspektiven
Laut Einschätzungen von Quellen von RBK-Ukraine verfügt Russland über die Ressourcen, um im Durchschnitt alle 5 bis 10 Tage massierte Raketen- und Drohnenangriffe durchzuführen – unter Berücksichtigung der Zeit für Aufklärung und Zielauswahl. Das bedeutet, dass die Bedrohung konstant bleibt und der psychologische Druck Teil des täglichen Lebens ist.
Unter diesen Bedingungen ist es wichtig, wachsam zu bleiben, offiziellen Quellen zu vertrauen und nicht der Panik zu erliegen. Der Krieg erfordert nicht nur körperliche Widerstandskraft, sondern auch mentale Stabilität. Und genau hier – in der Fähigkeit, dem Druck standzuhalten – liegt einer der größten Siege der Ukraine.