Die Situation der psychischen Gesundheit der Bevölkerung in der Ukraine erfordert eine klare Unterscheidung der Begriffe. Der Vertreter und Leiter des Büros der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Ukraine, Jarno Habichta, erklärte in einem Interview mit RBC-Ukraine, dass eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) nicht allen Ukrainern droht.
Der Experte betonte, dass die meisten Menschen wahrscheinlich Distress erleben werden, was eine normale Reaktion auf die stattfindenden Ereignisse ist. Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einer klinischen Diagnose und der natürlichen Anpassung an Stress zu verstehen.
PTBS versus Distress: Was ist der Unterschied?
Eine posttraumatische Belastungsstörung ist eine spezifische psychische Störung, die nach einem erlebten Trauma auftritt. Sie hat klare Symptome, und diese Diagnose kann nur von einem qualifizierten Arzt bestätigt werden. Selbstdiagnose ist in diesem Fall unzulässig.
Gleichzeitig sehen sich die meisten Ukrainer mit psychologischem Distress konfrontiert. Zu seinen Hauptmerkmalen gehören:
- Angst und Niedergeschlagenheit;
- Gefühl der Hoffnungslosigkeit;
- Schlaflosigkeit und Müdigkeit;
- Reizbarkeit;
- manchmal unverständliche körperliche Schmerzen.
„Dies sind normale Reaktionen auf eine abnormale Situation, und bei den meisten Menschen lassen diese Symptome mit der Zeit nach, insbesondere wenn sie ihre Grundbedürfnisse befriedigen können und soziale Unterstützung haben“, betonte Habicht.
Empfehlungen von Fachleuten
Der Leiter des WHO-Büros rät kategorisch davon ab, sich selbst zu behandeln oder sich selbst Diagnosen zu stellen. Wenn eine Person das Gefühl hat, dass sie nicht zurechtkommt und zusätzliche Unterstützung benötigt, sollte sie sich an ihren Hausarzt oder einen Spezialisten für psychische Gesundheit wenden.
Der umfassende Krieg beeinflusst das Leben der Ukrainer erheblich, insbesondere ihren Gesundheitszustand. Ständiger Stress, emotionale Erschöpfung und das Leben unter Bedrohung wirken sich nicht nur auf das psychische Wohlbefinden, sondern auch auf den körperlichen Zustand der Bevölkerung aus.
Körperliche Folgen des Krieges
Zuvor hatte Bogdan Bozhuk, Generaldirektor des staatlichen Unternehmens „Institut für Arbeitsmedizin der Nationalen Akademie der Medizinischen Wissenschaften der Ukraine“ erklärt, dass der Krieg zu einer tiefgreifenden Erschöpfung des Körpers der Ukrainer führt.
Der Experte erläuterte, dass die Kombination aus chronischem Stress und Mangel an ausreichendem Schlaf das Risiko vorzeitiger Alterung und des Verlusts der Arbeitsfähigkeit erhöht. Ohne umfassende staatliche Unterstützung könnte die Inzidenz chronischer Erkrankungen um 20-30 % steigen.