Auf dem St. Petersburger internationalen Wirtschaftsforum machte Wladimir Putin eine Reihe von Aussagen zur Situation in der Ukraine. Im Mittelpunkt stand die Reaktion des russischen Staatschefs auf einen kürzlich von ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geschriebenen Brief.

Reaktion auf Selenskys Brief

Demnach erfuhr Putin erst am Vortag von der Existenz des Briefes, las ihn jedoch erst heute. Der russische Führer kritisierte den Inhalt des Schreibens, bemängelte das Fehlen von Konstruktivität und verspottete bestimmte Aspekte, insbesondere die Erwähnung seines Alters.

„Es kommt nicht auf das Alter an, sondern auf die Handlungsfähigkeit“, erklärte Putin und fügte hinzu, dass es auch ältere Staatschefs gebe als ihn selbst.

Ablehnung eines persönlichen Treffens

Putin griff erneut das Thema der Wahlen in der Ukraine auf und erinnerte an einen früheren Streit zwischen Selenskyj und dem US-Präsidenten im Weißen Haus. Nach Ansicht des russischen Führers „verweigert der ukrainische Präsident die USA als Garanten“.

In Bezug auf den Ton des Briefes bezeichnete Putin ihn als „Element der Grobheit“ und bezweifelte die wahren Absichten der ukrainischen Seite.

„Ist dies ein Versuch, Bedingungen für ein persönliches Treffen und Verhandlungen zu schaffen, oder wird eine Atmosphäre geschaffen, in der persönliche Treffen tatsächlich unmöglich sind? Ich denke, es ist das Zweite“, erklärte er.

Der russische Staatschef betonte, dass er keinen Sinn in dem vorgeschlagenen Treffen sehe. Er erinnerte daran, dass ähnliche Angebote bereits zuvor, auch über Vermittler, gemacht wurden, aber abgelehnt worden seien. Laut Putin ermöglichten frühere Formate wie die „Minsker Abkommen“ lediglich eine Verzögerung für die Nachrüstung der Ukraine.

„Der Sinn liegt nur für die ukrainische Seite darin, das Vorrücken unserer Kräfte zu stoppen. Wir brauchen Vereinbarungen nicht für sechs Monate oder drei Monate, sondern für eine langfristige historische Perspektive“, erläuterte er.

Ziele und Aufgaben: Donbass und „Entnazifizierung“

Putin definierte die vorrangige Aufgabe Russlands derzeit als „die Befreiung des Donbass zu erreichen“ und stellte fest, dass das Land auf dem Weg zur Umsetzung dieses Plans sei. Weitere Fragen würden, so seine Aussage, im Rahmen des Verhandlungsprozesses geklärt, einschließlich der sogenannten „Entnazifizierung“.

„Man sagte uns immer: Welche Entnazifizierung? Wovon reden Sie? Das ist Unsinn. Doch ganz kürzlich waren wir Zeugen der feierlichen Umbeerdigung von Nazis mit Salut. Und wer tut das? Der Anführer des Kiewer Regimes – ein Jude nach seiner Nationalität“, erklärte Putin.

Antwort auf Drohnenangriffe

Während seiner Rede gab der russische Staatschef zu, dass Angriffe ukrainischer Drohnen auf das russische Hinterland der Russischen Föderation Schaden zufügen. Er präsentierte dies jedoch als Anlass zur Stärkung der Verteidigung.

„Für uns bedeutet dies nur eines – wir müssen unser Luftabwehrsystem verstärken. Und wir werden das tun“, sagte Putin.

Gleichzeitig beharrte er darauf, dass ukrainische Drohnen ineffektiv seien und der Großteil der von Kiew eingesetzten Waffen aus dem Ausland stamme.