Im Winter könnte die Führung der Russischen Föderation ihre Kampftaktik in der Ukraine radikal ändern und ihren Fokus auf die Zerstörung der kritischen Verkehrsinfrastruktur der Hauptstadt verlegen. Laut analytischen Berichten der britischen Zeitung The Telegraph wurde General Sergei Surowikin, genannt „General Armageddon“, der zuvor für brutale Bombenangriffe auf syrische Städte verantwortlich war, mit der Umsetzung dieser Pläne beauftragt.

Die neue Taktik des Kremls und die syrische Erfahrung

Westliche Experten sind der Ansicht, dass das Kreml-Regime erneut auf eine bewährte Terrorstrategie der Einschüchterung der Zivilbevölkerung und der Zerstörung großer Siedlungen zurückgreift, da seine reguläre Armee auf dem Schlachtfeld schwere Rückschläge erleidet. Die russische Offensive im Donbass stockt seit Monaten, ukrainische Streitkräfte halten dem Druck um Pokrowsk und Lyman erfolgreich stand, und die Personalverluste bleiben kolossal. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat wiederholt das enorme Ausmaß der Verluste der russischen Armee betont, was Moskau zwingt, nach alternativen Druckszenarien zu suchen.

Die Bedrohung für Kiews Brücken und Verkehrsblockade

Analysten der Publikation verweisen auf ACLED-Daten bis Ende August 2026, wonach der Anteil von Drohnen- und Raketenangriffen auf Kiew stetig zunimmt. Die Hauptziele dieser neuen Kampagne könnten sieben Brücken über den Dnipro sein. Ein solcher Angriff könnte den Straßen- und Schienenverkehr der Hauptstadt lahmlegen, die Stadt in zwei Hälften teilen und die Logistik im gesamten Norden der Ukraine stören. Verkehrsfachleute, insbesondere Dmytro Bespalow, weisen darauf hin, dass die vollständige Zerstörung massiver Brücken zwar äußerst schwierig ist, aber selbst Teilschäden einen Zusammenbruch verursachen und Panik unter Zivilisten säen können.

Widersprüchliche Daten

Während die westliche Presse und britische Analysten Alarm wegen des möglichen Einsatzes schwerer Waffen zur Zerstörung der Brücken der Hauptstadt schlagen, bewerten ukrainische Verkehrsexperten die technischen Risiken zurückhaltender. Einige Spezialisten neigen zu der Ansicht, dass die Angriffe weniger auf die physische Zerstörung der Strukturen als vielmehr auf psychologischen Druck und die vorübergehende Lähmung der Verkehrsachsen durch gezielte Treffer abzielen könnten. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass Pontonbrücken in einer Millionenstadt keine stationären Brücken ersetzen können, weshalb Luftabwehr und elektronische Kriegsführung der Schlüssel zum Schutz bleiben.

Luftabwehrdefizit und strategisches Kalkül auf Zermürbung

Die Hauptschwachstelle der Ukraine bleibt der akute Mangel an modernen Luftabwehrsystemen und Abfangraketen wie den US-amerikanischen Patriot-Systemen. Moskau ist sich dieser Probleme bewusst und setzt auf die Erschöpfung der ukrainischen Wirtschaft und Bevölkerung sowie auf die Ermüdung westlicher Partner durch den langwierigen Konflikt. Die Kalkulation lautet, dass systematische Winterangriffe auf die kritische Infrastruktur die Ukrainer und ihre Verbündeten zu Zugeständnissen zwingen werden, wobei sich Experten einig sind, dass diese Strategie wie in Syrien keinen gewünschten strategischen Durchbruch für den Kreml bringen wird.