Wladimir Putin, dessen Name zum Synonym für harte Geopolitik geworden ist, hat ein ehrgeiziges Programm gestartet, das darauf abzielt, eines der ältesten Probleme der Menschheit zu lösen – das Altern. Laut The Wall Street Journal hat sich der Kampf gegen das Alter zu einem prioritären staatlichen Projekt mit einem Volumen von rund 26 Milliarden Dollar entwickelt. Die Initiative mit dem Titel „Neue Technologien zur Erhaltung der Gesundheit“ (New Health Preservation Technologies) wurde offiziell im Jahr 2024 angekündigt, doch die Wurzeln dieses Interesses reichen viel tiefer zurück.
Vom Gespräch in Peking bis zur Bioprinting von Organen
Ein entscheidender Moment, der Licht auf dieses Projekt warf, war der Septemberparade in Peking. Journalisten dokumentierten ein Gespräch zwischen Putin und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, in dem der russische Führer die Möglichkeit der Lebensverlängerung durch Organtransplantationen diskutierte. Was damals wie ein zufälliges Gespräch zweier älterer Führer wirken mochte, entpuppte sich als Beschreibung eines echten Kreml-Plans.
Das Programm umfasst fortschrittliche und teilweise futuristische Methoden:
- Entwicklung einer Gentherapie zur Korrektur altersbedingter Veränderungen;
- 3D-Bioprinting lebender Gewebe;
- Züchtung von Organen für Transplantationen unter Verwendung von Minischweinen als Spender;
- Sonstige experimentelle Methoden zur Lebensverlängerung.
Die offiziellen Ziele des Projekts klingen beeindruckend: Bis 2030 soll das Programm 175.000 Leben „retten“.
Wer steckt hinter dem Unsterblichkeitsprojekt
Bei der Verwaltung dieses milliardenschweren Stroms sind Schlüsselfiguren beteiligt, die eng mit dem Präsidenten verbunden sind. Eine der Hauptkuratorinnen wird als Endokrinologin Maria Worontzowa, Putins Tochter, genannt, die staatliche genetische Programme leitet. Ein weiterer Ideologe des Projekts ist laut dem Verlag Michail Kowaltschuk, Direktor des Kurtschatow-Instituts – Bruder von Jurij Kowaltschuk, einem der engsten Verbündeten Putins im Finanzsektor.
Wissenschaftliche Ambitionen versus Realität
Im Gegensatz zu ähnlichen Initiativen in den USA, wo Forschungen von technologischen Milliardären finanziert werden und oft von Veröffentlichungen in führenden internationalen Zeitschriften begleitet werden, bleibt das russische Projekt im Schatten. Das Fehlen peer-reviewter Artikel in internationalen Publikationen wirft Fragen zur tatsächlichen Effektivität der Entwicklungen auf.
Alexander Ostrowski, einer der Pioniere des Bioprintings in Russland, der das Land nach Beginn des Krieges verließ, erklärte gegenüber der WSJ, dass ohne wissenschaftliche Publikationen es schwierig sei, echte Errungenschaften von „Träumen“ und Versuchen zur Finanzierung zu unterscheiden.
Das Paradoxon der Langlebigkeit
Das Interesse des Kremls am Thema Unsterblichkeit erscheint besonders kontrastreich vor dem Hintergrund der aktuellen Realität. Russland bleibt ein Land mit einer extrem niedrigen Lebenserwartung für Männer – etwa 68 Jahre, was deutlich niedriger ist als die Werte in den USA und Westeuropa. Das Bestreben, das Altern zu besiegen, vor dem Hintergrund von Krieg, Isolation der Wissenschaft und hoher Sterblichkeit, schafft ein einzigartiges und möglicherweise tragisches Paradoxon der modernen russischen Politik.