Wladimir Putin erklärte am 28. Oktober während einer öffentlichen Rede, dass Russland in der Raumfahrt «engen Kontakt» mit den Vereinigten Staaten unterhalte, insbesondere mit dem SpaceX-Gründer Elon Musk. Dem russischen Machthaber zufolge begründet sich die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Partnern durch die Notwendigkeit, einander im Orbit «nicht zu stören» und «eine gewisse Disziplin und Ordnung» einzuhalten. Dies berichtete RBC-Ukraine unter Berufung auf RIA Novosti sowie den Fernsehsender TSN.
«Ein genialer Mensch»: Beurteilung von Musk und Status des «Rasswet»-Projekts
Putin bezeichnete Elon Musk als «genialen Menschen» und verwies darauf, dass das Unternehmen SpaceX Tausende Starlink-Satelliten in die Umlaufbahn gebracht habe. Gleichzeitig betonte der russische Staatschef, dass das heimische erdnahe Breitband-Satellitenkommunikationssystem «Rasswet», welches er direkt als «russisches Gegenstueck» zu Starlink bezeichnete, sich erst in der Phase der «ersten Schritte» befindet. Damit räumt Moskau öffentlich einen erheblichen technologischen Rückstand des eigenen Projekts hinter dem amerikanischen Konkurrenten ein.
Startchronologie: Von den ersten 16 Geräten zur Seriencharge
Den in Berichten ukrainischer Medien angeführten Daten zufolge wurden die ersten 16 Satelliten des «Rasswet»-Systems im März 2026 in die Umlaufbahn gebracht. Bis Ende Mai wurde gemeldet, dass sich die Geräte in der Testphase befanden und zu diesem Zeitpunkt keine Zeichen einer militärischen Nutzung festgestellt wurden. Der zweite Start von Seriengeräten fand am 19. Juli statt – dabei wurden 16 weitere Satelliten ins All geschickt, was durch unabhängige Orbitdatenbanken bestätigt wird.
Technologische Lücke: 32 Geräte gegenüber den benötigten 250+
Um die von Moskau angekündigte weltweite Rund-um-die-Uhr-Abdeckung zu gewährleisten, muss die «Rasswet»-Konstellation mehr als 250 Geräte umfassen. Gegenwärtig befinden sich lediglich 32 Satelliten im Orbit – das sind weniger als 13% des geforderten Minimums. Das bedeutet, dass selbst bei erfolgreichem Abschluss der Tests und ohne technische Ausfälle ein erheblicher zeitlicher und technologischer Abstand bis zum voll funktionsfähigen System verbleibt.
Ukrainischer Geheimdienst: Wer hinter «Rasswet» steckt
Zuvor hatte der Hauptnachrichtendienst des Verteidigungsministeriums der Ukraine Informationen über die Entwickler und Hersteller veröffentlicht, die an der Umsetzung des «Rasswet»-Projekts beteiligt sind. GUR-Angaben zufolge sind mehrere russische Unternehmen an der Erstellung des Systems beteiligt, was Kiew ermöglicht, die technologischen Fähigkeiten und Grenzen des russischen Satellitenprogramms zu verfolgen. Die Veröffentlichung dieser Daten war Teil einer umfassenderen analytischen Arbeit zur Beobachtung der moskauer Raumfahrtambitionen.
Kontext: Orbitale Disziplin als Instrument der Diplomatie
Putins Erklärung über die Notwendigkeit, «Disziplin und Ordnung» im Orbit einzuhalten, erfolgte vor dem Hintergrund der zunehmenden Dichte im Weltraum. Die Starlink-Satellitenkonstellation umfasst bereits über 7000 Geräte, und ähnliche Projekte werden in China und Europa entfaltet. Unter diesen Bedingungen bergen jegliche Manöver oder Kollisionen im Orbit Risiken für zahlreiche Betreiber. Moskaus öffentliche Rhetorik über die «Zusammenarbeit» mit SpaceX kann als Versuch gewertet werden, die eigene Präsenz in niedrigen Orbits zu legitimieren und die Wahrscheinlichkeit von Zwischenfällen zu verringern, die unter Bedingungen der geopolitischen Konfrontation erhöhte Eskalationsrisiken bergen.