Wladimir Putin und eine Reihe russischer Militärführer haben die Behauptungen über den angeblichen „Eroberung“ von Konstantinowka in der Oblast Donezk erheblich übertrieben. Die Realität an der Front entspricht nicht den optimistischen Berichten, die aus dem Kreml kamen. Dies belegt ein neuer Bericht des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien (ISW), veröffentlicht von RBC-Ukraine.

Informatorischer Sieg statt taktischer

Am Freitag, dem 3. Juli, hörte der russische Präsident Berichte der Militärs über den Verlauf der Operation. Das Kommando berichtete, dass Sturmabteilungen von motorisierten Schützenbataillonen angeblich Schlüsselobjekte in der Stadt erobert hätten: Fabriken, Kirchen und Wohnviertel. Analysten stellen fest, dass ein erheblicher Teil des Treffens genau diesen taktischen Details gewidmet war. Experten zufolge sollte damit erreicht werden, die russischen Truppen als effektiv im Stadtgefecht darzustellen und einen informatorischen Sieg durch die laute Behauptung der Eroberung der Stadt zu erzielen.

Doch die tatsächliche Lage vor Ort widerspricht diesen Berichten. In der Regel dokumentiert das ISW Videoaufnahmen von Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf feindliche Positionen in jenen Gebieten, in denen sich russische Truppen vorwärtsbewegen. Diesmal stellten die Analysten keine dokumentierten Angriffe auf Russland im Raum Konstantinowka fest, was den Umfang der Präsenz des Gegners in der Stadt in Frage stellt.

Fälschungen und Fehlen von Technik

Zur Bestätigung ihrer Worte veröffentlichten russische Quellen, einschließlich des Verteidigungsministeriums, eine Reihe von Videoclips. Darauf sind kleine Gruppen von Soldaten mit Flaggen in Konstantinowka und Umgebung zu sehen. Analysten weisen jedoch auf den manipulativen Charakter dieser Materialien hin: Die Clips werden oft abrupt unterbrochen, um die tatsächlichen Positionen und das Schicksal der Kämpfer zu verschleiern. Darüber hinaus fehlen Beweise für den Einsatz schwerer russischer Technik, Mörser oder Artillerie innerhalb der Stadtgrenzen, was bei einer tatsächlichen Kontrolle des Territoriums unvermeidlich gewesen wäre.

Die ukrainische Seite lehnt die Behauptungen Moskaus kategorisch ab. Der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte und Präsident Wladimir Selenskyj bestätigen, dass die ukrainischen Streitkräfte Stand vom 23. Juni zahlenmäßig noch immer überlegen sind. Nach Einschätzung ukrainischer Militärsquellen befanden sich Mitte Juni zwischen 100 und 250 russische Soldaten in der Stadt. Selbst russische Kriegsberichterstatter und Kommandeure gaben zu, dass die ukrainischen Streitkräfte am 3. und 4. Juli Positionen in der Stadt hielten, was die Version einer vollständigen Eroberung endgültig untergräbt.

Politische Propaganda und Selenskyjs Angebot

Experten des ISW glauben, dass das Thema der „Eroberung“ von Putin genutzt wird, um ein Narrativ über den bevorstehenden Fall der gesamten Oblast Donezk zu schaffen. Obwohl russische Truppen tatsächlich in die Stadt eindringen, werden diese Aktionen keinen schnellen operativen Durchbruch bringen. Der Vormarsch im Frühling und Sommer 2026 hat bisher keine strategischen Ergebnisse gebracht, und der Versuch, Konstantinowka zu nehmen, könnte das offensive Potenzial der russischen Armee erschöpfen.

Auf dem Hintergrund dieser Ereignisse entbrannte ein diplomatischer Streit. Wladimir Selenskyj, der die Eroberung der Stadt dementierte, schlug Putin vor, ein bilaterales Treffen genau in Konstantinowka abzuhalten. Die Logik des ukrainischen Führers ist einfach: Wenn die Stadt angeblich unter der Kontrolle des Kremls steht, sollte es für den russischen Präsidenten keine Probleme mit dem Zugang dorthin geben. Pressesprecher Dmitri Peskow wies dieses Angebot zurück und schlug Selenskyj vor, nach Moskau zu kommen.

Am Abend des 4. Juli fanden Telefongespräche zwischen den Führern der Ukraine und der USA sowie zwischen Wladimir Putin und Donald Trump statt. Während des Gesprächs mit dem amerikanischen Politiker erzählte der russische Führer von den „Realitäten“ auf dem Schlachtfeld und behauptete, Russland greife an allen Fronten an, trotz fehlender tatsächlicher Beweise für die Kontrolle über Konstantinowka.