Wladimir Putin hat ein Gesetz unterzeichnet, das den russischen Behörden das Recht einräumt, das Vermögen von Bürgern der Russischen Föderation, die sich außerhalb des Landes befinden, einzuziehen. Dies gilt für sogenannte Ordnungswidrigkeiten gegen die Interessen des Staates. Das Dokument wurde als Reaktion auf Handlungen verabschiedet, die der Kreml als Bedrohung für seine Interessen ansieht, einschließlich der Kritik am Krieg und der Forderung nach Sanktionen.
Was droht Russen im Ausland?
Laut Gesetzestext können folgende Gründe zur Einziehung von Vermögen führen:
- „Diskreditierung' der russischen Armee;
- Aufrufe zur Verhängung von Sanktionen gegen die RF;
- Verbreitung von „extremistischem Material';
- „Propaganda nationalsozialistischer Symbolik';
- Nichtzahlung von Geldstrafen für die oben genannten Handlungen.
Die Einziehung kann sich nicht nur auf Immobilien, sondern auch auf Gelder auf Bankkonten beziehen. Dabei ist der Wert des beschlagnahmten Vermögens nicht auf die Höhe der Geldstrafe beschränkt – das Staat kann also Vermögenswerte beschlagnahmen, die den Betrag der Forderung deutlich übersteigen.
Wie wird das Verfahren ablaufen?
Das Gesetz sieht vor, dass, wenn ein im Ausland befindlicher Bürger nicht über die Einleitung eines Verfahrens informiert werden kann, das Gericht einen Verteidiger für ihn bestellen muss. Falls der Fall eingestellt wird, werden die Anwaltskosten aus dem Bundeshaushalt erstattet. Dies erzeugt den Anschein einer Einhaltung prozessualer Normen, doch in der Praxis werden solche Mechanismen häufig genutzt, um repressive Maßnahmen formal zu legitimieren.
Ziel des Gesetzes: Kontrolle über Emigranten
In der Begründung zum Dokument wird darauf hingewiesen, dass das Gesetz gegen Russen gerichtet ist, die nach ihrer Ausreise aus dem Land Aktivitäten entfalten, die angeblich den Interessen der Russischen Föderation zuwiderlaufen. Die Urheber der Initiative sind der Ansicht, dass solche Maßnahmen dazu beitragen werden, Aufrufe zur Verletzung der territorialen Integrität und der verfassungsmäßigen Ordnung Russlands zu unterbinden.
Kontext: Personalmangel in Russland
Zuvor hatte der ukrainische Auslandsnachrichtendienst (SZR) berichtet, dass der Kreml aufgrund eines akuten Personalmangels plant, Rentner und Personen im vorrentenalterlichen Alter verstärkt einzustellen. Nach Angaben des Nachrichtendienstes hoffen die russischen Behörden, den Mangel an Arbeitskräften in der Industrie, im Gesundheitswesen und in der Logistik auf diese Weise teilweise zu decken. Dies deutet auf eine systemische Krise im Land hin, die sich vor dem Hintergrund des Krieges und des Bevölkerungswegzugs verschärft.
Das neue Gesetz wird zu einem weiteren Druckmittel gegen diejenigen, die Russland verlassen haben und weiterhin die Handlungen der Regierung kritisieren. Es zeigt, dass Bürger der Russischen Föderation auch im Ausland weiterhin der Gefahr des Verlusts ihres Vermögens ausgesetzt sind – und dies ist bereits keine bloße Drohung mehr, sondern eine rechtlich festgeschriebene Realität.