Stand August 2026 verzeichnet die ukrainische Militärnachrichtendienst keine Anzeichen dafür, dass Moskau bereit ist, das Feuer zu stoppen. Während die ukrainische Seite weiterhin Vorschläge für einen Waffenstillstand und Verhandlungen macht, behält der Kreml seine aggressive Rhetorik bei und steigert das Tempo seiner Offensive. Vadym Skybytskyi, Generalmajor und stellvertretender Leiter des Hauptnachrichtendienstes (GUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums, enthüllte in einem exklusiven Interview die strategischen Absichten des Gegners für die verbleibenden Monate des Jahres 2026.

Die Strategie des Kremls: Sturm auf Donezk bis zum neuen Jahr

Hauptziel der russischen Streitkräfte in der aktuellen Phase des Konflikts bleibt die vollständige Eroberung der Oblast Donezk. Laut Analysen des GUR hat das russische Generalstab die Aufgabe gesetzt, diese Operation bis Ende des laufenden Jahres abzuschließen. Trotz der Ankündigungen über „Friedensinitiativen“ aus Kiew plant Moskau keine Vereinbarungen in naher Zukunft. Im Gegenteil mobilisiert das russische Kommando Ressourcen zur Umsetzung seiner Pläne und rechnet damit, dass ein langwieriger Krieg und die Auszehrung der ukrainischen Infrastruktur zum gewünschten Ergebnis führen werden.

Die Wintergefahr: Energieversorgung, Wasser und kritische Infrastruktur

Der Herbst und Winter 2026 versprechen sich schwierig für die ukrainische Wirtschaft und die Zivilbevölkerung. Der Nachrichtendienst warnt vor dem systematischen Charakter der Angriffe auf Lebenshaltungseinrichtungen. Im Risikobereich befinden sich nicht nur traditionelle Ziele wie Energieversorgung und Logistik, sondern auch die Wasserversorgung sowie das Gasleitungssystem. Besondere Besorgnis erregt das Auftreten neuer Waffentypen: Russische Ingenieure haben spezialisierte Drohnen entwickelt, die mit Sprengladungen in den Flügeln ausgestattet sind und in der Lage sind, Metallmasten von Hochspannungsleitungen physisch zu durchtrennen. Darüber hinaus könnten Gasförderanlagen in den Oblasten Poltawa und Charkiw unter Beschuss geraten.

Taktik der „Zerstörung der Arterien': Brücken und Verkehr

Die russische Armee ist übergegangen zu einer methodischen Zerstörung der Verkehrsinfrastruktur in den Frontzonen. Insbesondere wurden systematische Angriffe auf Brücken in den Oblasten Sumy, Charkiw und Tschernihiw registriert. Kritisch wichtige Übergänge in Zatoka und Mayaky werden ständig beschossen, was die Logistik lähmt und den Nachschub erschwert. Der Nachrichtendienst stellt fest, dass der Gegner nach dem Prinzip der „größten Schmerzhaftigkeit' handelt: Sobald ein Objekt für die Verteidigung der Ukraine kritisch wird, gerät es sofort ins Visier von Artillerie- und Raketenangriffen.

Gefahr aus dem Norden und die Frage einer neuen Mobilmachung

Eine der Schlüsselfragen bleibt die Möglichkeit eines neuen Vorrückens russischer Truppen in die Oblast Kiew oder Tschernihiw. Laut General Skybytskyi hängt die Realisierung eines solchen Szenarios direkt von den Ergebnissen der Innenpolitik in Russland und der Durchführung einer Mobilmachung ab. Eine geheime Mobilmachung unter modernen Bedingungen ist praktisch unmöglich, daher wird der Nachrichtendienst entsprechende Indikatoren nach den Wahlen überwachen. Bis dahin wird Russland versuchen, taktische Erfolge an zugänglichen Frontabschnitten zu demonstrieren, um den Anschein eines Vorrückens zu erwecken.