Der Cutman des ehemaligen absoluten Weltmeisters Alexander Usyk, Ras Anber, hat das kommerzielle Modell des modernen Boxens öffentlich als „gierig' auf allen Ebenen der Branche kritisiert. Der Experte kommentierte die heftigen Streitigkeiten um den Austragungsort des bevorstehenden Duells zwischen den britischen Schwergewichtlern Tyson Fury und Anthony Joshua. Dies berichtet Sport RBC.UA unter Verweis auf den YouTube-Kanal The Ariel Helwani Show, wo Anber einen ausführlichen Kommentar abgab.
„Überall Gier': Kritik am Geschäftsmodell
Im Zusammenhang mit der Organisation des Fury-Joshua-Kampfs konnte Anber seine Emotionen über die finanziellen Ambitionen der Veranstalter und des Fernsehens nicht zurückhalten. „Das ganze erinnert mich ständig daran, was ich am Boxgeschäft am meisten hasste: das Boxgeschäft selbst. Alle sind gierig geworden, buchstäblich auf allen Ebenen. Wo man auch hinschaut, auf welcher Ebene des Boxens auch immer – überall gibt es Gier. Angefangen beim Fernsehen und weiter die Kette entlang – überall Gier', erklärte der Cutman. Seiner Meinung nach steht der kommerzielle Kalkül über der Logik und den Interessen der Sportler und Fans selbst.
Warum MSG die britischen Fans verschrecken wird
Anber betonte, dass es trotz historischer Beispiele für Auswärtskämpfe keinen logischen Sinn ergibt, ein Duell dieser Größenordnung in die USA zu verlegen, etwa in den „Madison Square Garden'. Als Hauptargument nannte er die ständige Treue der britischen Fans. „Wenn man den Kampf in MSG austrägt, besteht das Risiko, die größte Fangemeinde im modernen Boxen – den britischen Markt – komplett zu verschrecken. Denn wenn man ihn hier um elf Uhr abends beginnt, ist es in Großbritannien vier Uhr morgens, und man verliert diese gesamte Zuschauerschaft', merkte der Experte an und wies auf die Unvereinbarkeit des amerikanischen Abend-Slots mit der britischen Zeit hin.
London als einzige logische Wahl
Gleichzeitig räumte Anber objektive Schwierigkeiten ein: In London bestehen weiterhin Probleme mit der Logistik und der Ausgangssperre, über deren Fortführung, so sein Wort, bereits Verhandlungen mit dem Bürgermeister laufen. Dennoch besteht der Cutman darauf, dass der Kampf zwischen zwei britischen Stars zu Hause, auf der für beide Kämpfer heimischen Arena, und nicht in einer ausländischen Jurisdiktion stattfinden sollte.
Widersprüchliche Daten
In den Positionen der Parteien und in den Medienberichten gibt es eine bemerkenswerte Unstimmigkeit bezüglich des Ortes. Einerseits setzt sich Ras Anber offen für die Austragung des Kampfs in London ein und hält die Verlegung in die USA (insbesondere in den MSG) für einen Fehler, der das Kernpublikum verschrecken würde. Andererseits wurde zuvor berichtet, dass der Joshua-Fury-Kampf erneut verlegt werden könnte – in der Branche haben bereits Gerüchte über einen neuen Austragungsort die Runde gemacht, und die Argumente für eine amerikanische Plattform hängen vor allem mit den kommerziellen Interessen des Fernsehens und der Veranstalter zusammen. Somit bleibt die Frage des Kampfplatzes offen: Anbers Expertenbewertung zur „Logik' Londons widerspricht direkt den in der Organisation kursierenden Gerüchten über einen Standortwechsel, und eine endgültige Entscheidung zum Austragungsort ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht festgelegt.
Zusammenfassend fügen Anbers Äußerungen noch eine weitere Stimme in die langwierige Debatte darüber ein, wo genau einer der am meisten erwarteten Kämpfe der Schwergewichtsklasse stattfinden sollte. Seine Kritik an der „Gier' des Boxgeschäfts und seine Rechnung mit dem britischen Publikum unterstreichen, dass der Streit über den Austragungsort des Fury-Joshua-Kampfs nicht nur logistischer, sondern auch grundsätzlich kommerzieller Natur ist.