Das Start-up Raven Resonance hat die Smart Glasses Prism 1 vorgestellt, bei denen ein vollwertiger, eigenständiger Computer in ein tragbares Gehäuse integriert wurde. Im Gegensatz zu den meisten bestehenden Datenbrillen sind die Prism 1 nicht an ein Smartphone gebunden: Ihr Betrieb basiert auf einer spezialisierten Raven OS-Plattform auf Linux-Basis, die auf Unabhängigkeit ausgelegt ist. Die Zielgruppe des Geräts umfasst Entwickler, Ingenieure, Kreativschaffende und Unternehmenskunden, die Wert auf ein offenes und flexibel anpassbares System legen. Laut Hersteller liegt der Schwerpunkt darauf, Apps und Informationen „auf einen Blick“ verfügbar zu machen, weshalb das Display in die Peripherie des Sichtfelds gerückt wurde, anstatt den gesamten Raum vor den Augen auszufüllen.

Optik und Display: 30-Grad-Wellenleiter statt vollem Sichtfeld

Das Bild wird von einem vollfarbigen LCoS-Modul und einem diffraktiven Wellenleiter erzeugt, die vor dem rechten Auge positioniert sind. Diagonal umfasst der virtuelle Bildschirm etwa 30°, was laut Raven wie ein 16-Zoll-Display in armslanger Entfernung wahrgenommen wird. Die Helligkeit übersteigt 1.500 Nits. Die Menünavigation erfolgt über Blicksteuerung und Sprachbefehle; zudem wird der Anschluss von Bluetooth-Tastaturen, -Mäusen und -Controllern unterstützt. Eine 13-Megapixel-Kamera, vier Mikrofone und zwei nach unten gerichtete Lautsprecher sind in das Gerät integriert.

Hardware und Software-Autonomie: ARM64, SSH und lokale Verarbeitung

Für die Rechenleistung sorgt ein Chip mit ARM64-Architektur, bis zu 4 GB Arbeitsspeicher und 32 GB interner Speicher. Für die Eigenentwicklung von Software ist ein SSH-Zugriff vorgesehen, was die Prism 1 primär zu einem Werkzeug für Technik-Spezialisten macht. Die Datenverarbeitung für die Blicksteuerung erfolgt lokal auf einem FPGA-Schaltkreis, und wo immer möglich, werden auch andere Aufgaben wie Spracherkennung lokal ausgeführt. Der Hersteller betont, dass Daten das Gerät nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzers verlassen.

Raven Wings: Magnetische Wechselakkus und modulare Architektur

Die Stromversorgung übernimmt das Raven Wings-System – magnetische Akkumulatormodule, die an den Brillenbügeln befestigt werden. Sie können im laufenden Betrieb („hot-swapped“) gewechselt werden, ohne das Gerät auszuschalten: Es reicht aus, das entleerte Modul abzunehmen und ein geladenes anzubringen. Im Lieferumfang sind zwei Modulsets und ein Ladeetui enthalten. Die magnetische Verbindung wird auch zur Datenübertragung per USB genutzt, und das Design selbst ist als modulare Plattform konzipiert. Geplant sind weitere Module für GPS, Mobilfunk, Akkus mit erhöhter Kapazität und KI-Beschleuniger.

Datenschutz, Preis und Liefertermine

Zu den Datenschutzfunktionen gehören eine physische Kameraabdeckung und Kontrollleuchten, die während der Aufnahme aufleuchten. Der Preis für die Prism 1 liegt bei 1.499 US-Dollar; mit einer Anzahlung von 49 US-Dollar kann ein Gerät aus der vierten Charge mit Lieferung Mitte 2027 reserviert werden. In der Anfangsphase kommen die Brillen nur in den USA auf den Markt, danach folgt der europäische Markt. Die Verordnung von Korrekturlinsen im Bereich von −4,5 bis +4,5 Dioptrien ist vorgesehen. Zum Team von Raven Resonance gehören ehemalige Mitarbeiter von Apple, Samsung Research, XREAL und Leap Motion.