Die Energielandschaft Russlands durchläuft radikale Veränderungen. Nach einer Serie starker Angriffe auf Schlüsselobjekte des Energiesektors (TЭК) sieht sich die russische Wirtschaft mit einem beispiellosen Mangel an Kraftstoffen und Schmierstoffen konfrontiert. Als Reaktion auf den Rückgang der eigenen Produktion ist Moskau gezwungen, die Einfuhren zu erhöhen, wobei die Republik Belarus zum führenden Lieferanten geworden ist.
Juli-Rekord: Abhängigkeit vom Nachbarn
Laut Daten von Analyseagenturen erreichten die Lieferungen von Benzin und Dieselkraftstoff aus Belarus nach Russland im Juli einen historischen Höchststand. Dies war eine direkte Folge des Mangels, der vor dem Hintergrund ungeplanter Stillstände russischer Erdölraffinerien (НПЗ) entstand. Die massiven Ausfälle wurden durch Schäden verursacht, die bei Angriffen ukrainischer Drohnen entstanden, die über mehrere Monate andauerten.
Die Statistik für Juli zeigt das Ausmaß des Problems. Die Schienenlieferungen von Benzin aus Belarus stiegen im Vergleich zu Juni um 13 % und erreichten 212.000 Tonnen. Die Situation bei Dieselkraftstoff ist noch dramatischer: Die Einfuhren verdoppelten sich im selben Zeitraum auf 162.000 Tonnen.
Betrachtet man eine längere Perspektive, so stiegen die Benzinlieferungen aus Belarus nach Russland in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um das 25-fache und erreichten fast 665.000 Tonnen. Die Einfuhren von Dieselkraftstoff nahmen fast um das Siebenfache zu – auf 418.000 Tonnen.
Produktionskrise und Exportbeschränkungen
Anfang Juli arbeiteten die russischen Produktionskapazitäten mit einem kritischen Rückstand. Die Benzinproduktion sank auf etwa 65 % des durchschnittlichen saisonalen Verbrauchs, und die Produktion von Dieselkraftstoff fiel praktisch auf das Niveau der inländischen Nachfrage. Vor dem Hintergrund dieses Mangels und steigender Preise sah sich die russische Regierung gezwungen, ein Exportverbot für Dieselkraftstoff einzuführen, wobei Ausnahmen nur für bereits geschlossene Verträge und zwischenstaatliche Abkommen gemacht wurden. Zuvor galten ähnliche Beschränkungen bereits für Benzin und Flugtreibstoff.
Interessanterweise nahmen die Einfuhren von Flugtreibstoff aus Belarus im Juli im Gegensatz dazu von 16.000 Tonnen im Juni auf etwa 13.100 Tonnen ab, was auf Besonderheiten der Logistik oder das Vorhandensein anderer Versorgungskanäle für die Luftfahrt hindeuten könnte.
Diversion der Lieferungen und Angriffe des SBU
Im Bewusstsein der Risiken einer Abhängigkeit von einem einzigen Partner begann Russland, seine Einfuhrquellen zu diversifizieren. Neben Belarus erfolgen Benzinlieferungen nun auch aus Indien, Kasachstan und Marokko.
Die Wurzeln der aktuellen Situation liegen in einer großangelegten Operation des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU). Im Rahmen einer 40-tägigen Kampagne, die vom 27. Juli bis zum 2. August stattfand, wurden Angriffe auf die militärische und energetische Infrastruktur der Russischen Föderation verübt. Zu den betroffenen Objekten gehörten Erdölraffinerien in Perm, Wolgograd und Ufa sowie der Militärflugplatz Chanskaja, Radaranlagen, Munitionslager und die Infrastruktur des Hafens Taman.
Die Angriffe setzten sich auch nach Abschluss der Hauptphase der Operation fort. So griffen ukrainische Drohnen in der Nacht zum 4. August die Syzraner Erdölraffinerie in der Region Samara an. Diese Ereignisse verdeutlichen anschaulich, wie punktuelle Angriffe auf kritische Infrastrukturen die Logistikketten eines ganzen Staates auf den Kopf stellen können.