Der russische Kraftstoffmarkt steht vor einem beispiellosen Krisenjahr. Es wurde der größte wöchentliche Preisanstieg für Benzin seit zwei Jahrzehnten verzeichnet. Laut Daten des Föderalen Dienstes für Statistik stieg der Durchschnittspreis für einen Liter Kraftstoff im Zeitraum vom 16. bis 22. Juni um 3 % und erreichte 71,20 Rubel. Dies ist der erste so massive Preisanstieg seit 2006. Auch der Diesel blieb nicht verschont und verteuerte sich um 2,7 %.

Angriffe auf Raffinerien und Panik an den Tankstellen

Die Hauptursache für die Marktturbulenzen waren erfolgreiche Angriffe ukrainischer Drohnen auf die Ölraffinerie-Infrastruktur. Beschädigungen wichtiger Unternehmen, darunter das große Werk von „Gazprom Neft“ in der Region Moskau, lösten Panik unter den Autofahrern aus. Fahrer kauften in Massen Treibstoff in Kanistern auf, was zu riesigen Warteschlangen und einem akuten Treibstoffmangel an Tankstellen im ganzen Land führte.

Versorgungsstörungen oder eine totale Rationierung von Kraftstoff wurden bereits in 75 % der russischen Regionen registriert. Die Behörden führten in den Gebieten Brjansk, Kursk, Lipetsk, Samara und Tjumen Einschränkungen beim Kauf von Benzin und Diesel ein. Die Lage ist kritisch selbst im wichtigsten Ölregion des Landes – dem Autonomen Kreis der Chanty-Mansi, wo etwa 40 % der russischen Ölproduktion gefördert wird. Begrenzungen an den Tankstellen gelten in mehr als 50 Regionen der Russischen Föderation.

Wirtschaftliche Folgen und Reaktion der Behörden

Die ständigen Angriffe auf Energieobjekte haben die Produktionskapazitäten erheblich beeinträchtigt. Im Mai sank die Produktion von Erdölprodukten in Russland um 13,5 %, und die Benzinproduktion in der ersten Monatshälfte fiel um 15 % im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Experten stellen fest, dass das Land ein Viertel seiner Benzinproduktionskapazitäten verloren hat, und der Seehandel mit Erdölprodukten in der ersten Junihälfte um 15 % eingebrochen ist.

Die Präsidentin der Zentralbank Russlands, Elvira Nabiullina, hat bereits gewarnt, dass die Produktionsrückgänge aufgrund der Zerstörung von Raffinerien zu einem neuen ernsthaften Inflationsfaktor geworden sind. Der rasante Anstieg der Kraftstoffpreise hat die jährliche Inflation im Land auf 5,8 % beschleunigt. Als Reaktion auf die Krise erwägt die Regierung Notfallmaßnahmen: ein vollständiges Exportverbot für Diesel und die Einführung von Steuervorteilen zur Unterstützung des Binnenmarktes.

Trotz der Aussagen des Vizepremierministers Alexander Nowak, dass die Situation „kontrollierbar“ sei, häufen sich die Probleme auf dem Kraftstoffmarkt weiter und stellen eine Bedrohung für die Stabilität der Wirtschaft und den Alltag der Bürger dar.