Die Geschichte der Verwandlung des Donezker Vereins Schachtar von einem Klub, der am Rande des Überlebens balancierte, zu einer der führenden Fußballmarken Europas, ist untrennbar mit den dramatischen Ereignissen im Oktober 1996 verbunden. In einem Interview mit der Zeitung The Guardian erinnerte sich der Vereinspräsident Rinat Achmetow an den schicksalhaften Tag, an dem er fünf Sekunden vom Tod entfernt war, und daran, wie diese Tragödie seinen weiteren Weg bestimmte.
Fünf Sekunden vor der Explosion
Die Ereignisse spielten sich ab, als Achmetow und sein enger Freund, der damalige Präsident der „Bergleute“ Achat Bragin, mit dem Auto zum Stadion fuhren, um ein Spiel zu besuchen. Aufgrund einer fünfminütigen Verspätung sprang Bragin aus dem Auto und rannte zum Eingang. Achmetow folgte ihm. Genau diese Entscheidung rettete dem Unternehmer das Leben: Er war nur fünf Sekunden von einer von Terroristen verübten Explosion entfernt.
„Es war eine Tragödie, er war ein enger Freund. Wäre er noch am Leben, hätte er viel Gutes für Schachtar getan', teilte Achmetow mit und erinnerte sich an seinen verstorbenen Kameraden.
Der Verein auf dem Tiefpunkt
Der Tod von Bragin hinterließ Schachtar in einer katastrophalen Lage. Der Verein wurde vernachlässigt und entbehrte der elementarsten Infrastruktur. Die Mannschaft hatte kein eigenes Stadion, keine Trainingsbasis, und für Auswärtsspiele reichte nicht einmal ein Bus. Die finanzielle Situation war erbärmlich: Die Spieler verdienten 200 bis 300 Dollar im Monat, und der Verein verzeichnete ständig Verluste.
Das Risiko, das alles veränderte
In diesem kritischen Moment wurde Achmetow gebeten, die Führung des Vereins zu übernehmen. Viele Regierungsvertreter sowie die Witwe des verstorbenen Achat Bragin zeigten Initiative. Damals war Achmetow erst 30 Jahre alt. Er gab zu, dass er sich nicht sicher war, ob seine geschäftlichen Ambitionen erfolgreich sein würden, und zweifelte daran, ob er den Fußballverein führen könnte.
Doch im Oktober 1996 fasste er den Entschluss, Präsident von Schachtar zu werden. Seine Ankündigung, die Meisterschaft gewinnen zu wollen, stieß auf Skepsis und Spott. Damals stand das Kiwer Dynamo mit Andrej Schewtschenko und Oleh Rebrow an der Spitze des ukrainischen Fußballs, und ein Wettbewerb schien unmöglich.
„Alle nannten mich verrückt. Die Leute machten sich über mich lustig, aber jetzt haben sie keine Lust mehr auf Witze', fasste Achmetow zusammen und bestätigte, dass er seine damaligen Zweifel überwunden hatte und die Skeptiker unrecht hatten.