Im Juni 2026 wurden die Straßen der größten chinesischen Megastädte – Peking, Chengdu und Fuzhou – zur Bühne für ein ungewöhnliches Schauspiel. Passanten begannen, humanoide Roboter zu begegnen, die das Verhalten obdachloser Menschen imitierten. Die Mechanismen, die auf zyklische Körperneigungen und audiovisuelle Signale programmiert waren, wurden in Fußgängerzonen platziert, um Aufmerksamkeit zu erregen und Spenden zu sammeln.
Robotik-Experten identifizierten diese „Bettler“ schnell als humanoide Roboter des Modells Unitree G1 des Unternehmens Unitree Robotics. Dies sind hochtechnologische Plattformen mit einer ausgefeilten Kinematik (bis zu 43 Freiheitsgrade) und fortschrittlichen Sensorsystemen, einschließlich 3D-Lidar und Tiefenkameras. Doch gerade die hohen Kosten für die Ausrüstung – etwa 16.000 US-Dollar pro Einheit – lassen die wirtschaftliche Sinnhaftigkeit ihres Einsatzes zur tatsächlichen Geldsammlung in Frage stellen.
Experten neigen dazu, das Geschehen nicht als Versuch, durch Betteln Geld zu verdienen, sondern als geplantes soziales Experiment oder eine virale Marketingkampagne zu betrachten. Die Roboter sind mit LED-Anzeigen versehen, die über Energiemangel informieren, sowie mit QR-Codes für Überweisungen über die beliebten chinesischen Zahlungssysteme WeChat Pay und Alipay.
Die Situation löste eine lebhafte Diskussion im chinesischen Internetsegment aus, insbesondere auf der Plattform Weibo. Die Meinungen der Nutzer teilten sich: Manche sahen darin eine ironische Dekonstruktion der Ängste vor der Automatisierung, andere äußerten Besorgnis. Die Hauptfragen betrafen die Sicherheit von Fußgängern, den Schutz personenbezogener Daten beim Scannen von QR-Codes und den rechtlichen Status von Robotern im städtischen Raum.
Bisher liegen keine offiziellen Kommentare des chinesischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit oder der Stadtverwaltungen vor. Dennoch könnte das geltende Gesetz zur städtischen Ordnung das unbefugte Aufstellen solcher Objekte als Verstoß qualifizieren. Gleichzeitig unterliegen alle QR-Codes in China einer Identitätsverifizierung, was den Strafverfolgungsbehörden bei Bedarf eine schnelle Identifizierung der Kontoinhaber ermöglicht, auf die die Mittel fließen.
