Im Kiewer Kino „Schtschotschyn“ fand die Vorpremiere der neuen Lebenskomödie „Roditschi“ von Jewhen Taller statt – eine Geschichte über eine Familie, den Jubiläumstag der Großmutter, ein Grundstück bei Kiew und den sehr schnellen Übergang vom festlichen Mahl zum echten familiären Schlachtfeld. Der Film, der am 17. September in die Kinos kam, zog nicht nur die Aufmerksamkeit von Kritikern auf sich, sondern auch die von Zuschauern, die, so berichten Anwesende, so laut lachten, dass die Repliken der Schauspieler buchstäblich im Gelächter des Saals untergingen. Wave RBC.UA war bei der Vorführung und teilte erste Eindrücke vom Film, der laut Redaktion dem Publikum das bietet, was in der heutigen Zeit so fehlt: eineinhalb Stunden lebendiger, warmer und teils absurder Familienhumor.
Ein Plot, den jeder kennt
„Roditschi“ versuchen nicht, die ukrainische Komödie neu zu erfinden oder mit komplexen Erzählstrukturen zu beeindrucken. Im Zentrum der Geschichte steht eine Familie, die sich zum Anlass des Jubiläums der Großmutter an einem großen Festtisch versammelt. Auf der Agenda stehen ein Grundstück bei Kiew, alte Kränkungen, Manipulationen und der Kampf um das Ersehnte. Manche schweigen demonstrativ, manche erinnern sich an alte Beleidigungen, manche wollen einfach nur das Ihre bekommen. Gerade aus dieser Wiedererkennbarkeit wird der Film sehr schnell zu etwas, das keine Geschichte über Fremde mehr ist: Der Zuschauer erkennt in den Figuren genau jene Verwandten, die sich um den Tisch versammeln und plötzlich alles wieder in Erinnerung rufen, was sich über die Jahre angesammelt hat.
Ein Cast, der sich von Film zu Film nicht wiederholt
Nasar Sadneprovskyj, Iryna Mak, Wera Kobzary, Oleksandr Jarema, Anastassija Iwanjuk, Jelena Usliuk und andere Schauspieler existieren organisch in dieser Geschichte. Laut Beobachtung der Redaktion von Wave gibt es hier nicht das Gefühl, vor demselben Gesichter-Set zu stehen, das von einer ukrainischen Komödie zur nächsten wandert. Jede Figur hat ihren eigenen Charakter, ihre eigene Art zu sprechen, sich zu kränken, zu schauspielern und um das Ersehnte zu kämpfen. Zusammen ergeben sie genau jene Familie, die jeder wohl mindestens einmal an einem großen Festtisch gesehen hat. Der Humor im Film entsteht oft nicht aus einem einzelnen Witz, sondern aus dem Verhalten der Figuren: aus einem Blick, einer Pause, einer Intonation, der Reaktion eines Menschen, der bereits verstanden hat, dass gleich die nächste Familienkatastrophe losbricht.
Lachen, das nicht im Drehbuch steht
In einigen Szenen gingen die Repliken der Schauspieler buchstäblich im Gelächter des Saals unter. Und, wie der Autor der Rezension betont, war das nicht dieses höfliche Lachen, bei dem der Zuschauer versteht, dass „hier jetzt lustig sein sollte“. Es funktionieren sowohl Alltagsstreitigkeiten als auch kleine Manipulationen als auch völlig absurde Situationen, die zugleich seltsam vertraut wirken. Der Saal lachte gemeinsam – und genau das ist wohl der beste Beweis dafür, dass der Film seine Arbeit tut.
Wärme statt Drama und ein Blick über die Ukraine hinaus
Trotz aller Streitereien, des Kampfes um das Vermögen und der Intrigen hinterlässt „Roditschi“ ein sehr warmes Gefühl. Der Film versucht nicht, eine einfache Familiengeschichte in etwas Überdramatisches oder „Wichtiges“ zu verwandeln. Und vielleicht genau deshalb funktioniert er. Es ist ein Film über Menschen, die sich furchtbar auf die Nerven fallen können, sich wegen Geld streiten, wegen alter Beleidigungen zanken, aber trotzdem eine Familie bleiben. Die Geschichte ist in ihrem Humor und Charakter sehr lokal, und zugleich universell: Verwandte, die sich um den Tisch versammeln und plötzlich alles wieder in Erinnerung rufen, was sich über die Jahre angesammelt hat, sind ein Phänomen, das keineswegs ausschließlich ukrainisch ist. Deshalb entsteht beim Zuschauen der Eindruck: Solche ukrainischen Komödien könnten durchaus auch auf großen internationalen Streaming-Plattformen wie Netflix ihr Publikum finden. Nicht, weil der Film versucht, „international“ zu sein, sondern im Gegenteil – weil er seine einfache und verständliche Geschichte sehr ehrlich erzählt.
Das Wort des Produzenten: Kino als Erholung von schweren Nachrichten
Der Produzent und Ideengeber Jewhen Taller erklärte nach der Vorführung, dass das Team bewusst einen Film machen wollte, der es dem Publikum erlaubt, sich zumindest eineinhalb Stunden von den schwierigen Nachrichten abzulenken. „In der heutigen Zeit Film zu drehen, ist wirklich schwer. Aber wir und das Team haben alles getan, was in unserer Macht stand, damit diese eineinhalb Stunden den Menschen erlauben, ein wenig zu ruhen, sich von den schweren Nachrichten abzulenken und einfach zu lachen. Dank der guten Schauspielleistung und der Arbeit der gesamten Crew ist uns eine sehr einfache, warme und lebensnahe Geschichte gelungen“, sagte Taller von der Bühne. Und wohl genau dieses Gefühl – von Einfachheit, Wärme und Lebensnähe – bleibt nach dem Zuschauen am stärksten in Erinnerung.