Die Ereignisse der vergangenen Nacht haben einen der größten ukrainischen Einzelhändler schwer getroffen. Die Firma ROZETKA, die eigentlich ihr 21-jähriges Bestehen hätte feiern sollen, verlor ihren Flaggschiff-Standort – das größte Verteilzentrum in Browary. Ursache der Katastrophe waren drei direkte Treffer durch ballistische Raketen.

Dies teilte die Mitbegründerin des Unternehmens, Irina Tschetschotkina, in ihrem Facebook-Account mit. Demnach wurde ein Komplex getroffen, der zum Symbol der technologischen Entwicklung des Geschäfts geworden war. Das Lager wurde Anfang 2017 eröffnet und war damals das am stärksten automatisierte. Hier wurden täglich mehr als 100.000 Bestellungen bearbeitet. Tschetschotkina gab zu, dass der Standort nicht wiederhergestellt werden kann.

Das Lebenswerk brennt

Die emotionale Reaktion auf das Geschehene drückte die Mitbegründerin in ihrem Beitrag aus. Sie betonte, dass sie anstelle der traditionellen Glückwünsche an Partner und Kunden zum Jubiläum des Unternehmens zusehen musste, wie das „Lebenswerk“ in Flammen aufging. Trotz des Ausmaßes der Zerstörung ruht der Geschäftsbetrieb nicht. Tschetschotkina dankte allen, die das Unternehmen in dieser schwierigen Zeit weiterhin unterstützen und Einkäufe tätigen, und unterstrich, dass das Gefühl der Einheit derzeit am wichtigsten ist.

Ausmaß des nächtlichen Angriffs

Die Zerstörung des ROZETKA-Lagers war Teil einer massiven Angriffswelle auf Kiew und die Region Kiew in der Nacht zum 5. August. Die russischen Streitkräfte setzten ballistische Raketen und Drohnen ein. Infolge der Angriffe brachen auf Lagern, in Wohnhäusern und auf unbebauten Flächen in mehreren Stadtteilen der Hauptstadt Brände aus. Im Stadtteil Holosijiw wurde ein gefährlicher Ammoniakaustritt registriert.

Die Lage in der Region ist kritisch. Laut Angaben des Staatsdienstes für Notfälle (GSCHS) kamen in der Region Kiew 14 Menschen ums Leben, weitere rund 30 wurden verletzt. Das Feuer griff nicht nur auf Browary über, sondern auch auf die Ortschaften Bolschaja Dymyrka, Kwitnewe und Pobeda. Die Angriffe auf Logistikzentren führten zur Einstellung des Zugverkehrs der Ukrzaliznyzja.

Folgen für Infrastruktur und Menschen

Auch andere wichtige Marktteilnehmer wurden getroffen. Feindliche Streubomben trafen das Sortierzentrum der „Neuen Post“ in Kiew. Bei diesem Vorfall kamen drei Menschen ums Leben, acht wurden verletzt.

Insgesamt kamen bei dem Angriff, bei dem 28 Raketen und 115 Drohnen zum Einsatz kamen, 17 Menschen ums Leben, 44 wurden verletzt. Aufgrund der massiven Zerstörung der Infrastruktur und der Verluste beauftragte Ministerpräsident Serhij Kortschynskyj die Regierung, dringend Treffen mit Vertretern der Wirtschaft abzuhalten, um den Schaden zu bewerten und Pläne für den Wiederaufbau zu entwickeln.