In Russland zeichnet sich eine anhaltende Tendenz ab, dass weniger Bürger bereit sind, einen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium zu unterschreiben und in den Krieg gegen Ukraine zu ziehen. Laut Analysen begann dieser Rückgang bereits vor einem Jahr und gewinnt derzeit weiter an Fahrt.

Darauf verweist ein Bericht des amerikanischen Instituts für das Studium des Krieges (ISW), der von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde. Die Experten stützen sich auf Daten des russischen Medienressourcens «Ewige Geschichten», die die Ausgaben des russischen Bundeshaushalts analysiert haben.

Statistik: Ein starker Einbruch der Zahlen

Die Zahlen deuten auf eine ernste Krise im Rekrutierungssystem hin. Im ersten Quartal 2026 erhielten 71.200 Personen eine Einmalzahlung für die Vertragsunterzeichnung. Das ist 20 % weniger als im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2025.

Betrachtet man die Jahreszahlen, sieht die Situation für die russische Seite noch beunruhigender aus:

  • Im gesamten Jahr 2025 unterschrieben 363.900 Personen Verträge mit dem Verteidigungsministerium.
  • Das ist 10 % weniger als im Jahr 2024.

Die Analysten des ISW stellen fest, dass Moskau angesichts steigender Verluste zunehmend Schwierigkeiten hat, Personal zu rekrutieren. Um dem Mangel zu begegnen, ist der Krems gezwungen, Reservefonds freizugeben, die Prämien für Vertragsunterzeichnungen zu erhöhen und die sogenannten «geheimen Mobilisierungsbemühungen» auszuweiten.

Die Illusion der zahlenmäßigen Überlegenheit

Russland versucht weiterhin, seinen Hauptvorteil als zahlenmäßige Überlegenheit zu positionieren. Doch die Realität an der Front widerlegt diese Strategie. Die Effektivität ukrainischer Drohnen und Mittelstreckenanschläge hat den demoralisierenden Effekt der Masse neutralisiert.

Die ukrainischen Verteidigungskräfte verursachen der russischen Armee unverhältnismäßig hohe Verluste sowohl an Personal als auch an Ausrüstung. Vor dem Hintergrund sinkender Rekrutierungszahlen und steigender Opferzahlen schafft der Krems Bedingungen für begrenzte, schrittweise Einberufungen von Reservisten, um die Verluste in der Ukraine auszugleichen.

Rekrutierung im Ausland: Iran und Afrika

Angesichts des Mangels an innerstaatlichen Ressourcen erweitert Russland aktiv die geografische Reichweite seiner Rekrutierung. Ende 2025 berichtete das Zentrum für strategische Kommunikation (ZPD), dass Moskau eine aktive Kampagne zur Gewinnung von Söldnern im Iran gestartet hat. In mehreren Städten erschienen Flugblätter mit dem Angebot, sich der russischen Armee anzuschließen; dabei wurden 20.000 Dollar als Einmalzahlung und etwa 2.000 Dollar monatlich angeboten.

Auch im Mai dieses Jahres hat der Krems das Netzwerk zur Rekrutierung von Ausländern erweitert und begonnen, Bürger afrikanischer Länder verstärkt für den Krieg gegen die Ukraine zu gewinnen.