Im rumänischen Parlament ist ein Ereignis geschehen, das die politische Landkarte Osteuropas verändern könnte. Das Abgeordnetenhaus Rumäniens hat einen Gesetzentwurf gebilligt, der die Regierung verpflichtet, offizielle Verhandlungen mit Kischinau über eine mögliche Vereinigung der beiden Länder aufzunehmen. Diese Entscheidung ist das Ergebnis eines einzigartigen parlamentarischen Verfahrens und signalisiert einen ernsthaften Wandel in der Position Bukarests.

«Stillschweigende» Zustimmung zur Initiative

Die legislative Initiative, die Anlass zu heftigen Diskussionen gab, wurde bereits am 14. April von der Partei SOS Romania in das Parlament eingebracht. Das Schicksal des Dokuments entschied sich jedoch nicht im Rahmen von Debatten, sondern aufgrund von Verfahrensregeln. Während der Sitzung wurde bekannt gegeben, dass die Frist für die Prüfung des Gesetzentwurfs abgelaufen sei, was automatisch seine «stillschweigende» Annahme durch das Unterhaus bedeutet.

Dem Wortlaut des Dokuments zufolge bekräftigt das rumänische Parlament sein Bekenntnis zu den Bestimmungen des Schlussakts der KSZE-Konferenz in Helsinki. Dieses internationale Dokument erkennt die Möglichkeit an, Staatsgrenzen auf friedlichem und diplomatischem Wege zu ändern. Unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes ist die rumänische Regierung verpflichtet, unverzüglich den Dialog mit den Behörden Moldawiens zur Vollendung des Wiedervereinigungsprozesses aufzunehmen.

Politische Reaktion und Haltung der Behörden

Obwohl die Entscheidung des Abgeordnetenhauses ein wichtiger Schritt ist, ist sie noch nicht endgültig. Der Gesetzentwurf muss noch vom Senat Rumäniens geprüft werden, der als das Haus fungiert, das die finale Entscheidung trifft. Dennoch ist das politische Signal bereits gegeben.

Zuvor hatte der Berater des rumänischen Präsidenten, Eugen Tomac, erklärt, dass Bukarest bereit sei, jederzeit Verhandlungen über eine Vereinigung aufzunehmen, falls Kischinau den Wunsch danach äußern sollte. Nach seinen Worten bleibt die offizielle Position Rumäniens unverändert, und die Bewegung für die Wiedervereinigung der beiden Staaten wird als ein absolut natürlicher Prozess betrachtet, der von der gemeinsamen Geschichte diktiert wird.

Reaktion aus Kischinau und die Stimmung in der Bevölkerung

In Moldawien wurde die Initiative auf hoher Ebene mit Interesse aufgenommen. Der Außenminister der Republik, Mihai Popșoi, kommentierte die Situation und versicherte, dass er bei einem möglichen Referendum über die Vereinigung persönlich «dafür» stimmen würde. Der Chef des Außenministeriums betonte, dass solche Perspektiven nicht mehr ignoriert werden können, da unionistische Stimmungen regelmäßig von Bürgern bei Begegnungen mit Politikern geäußert werden.

Angesichts dieser Erklärungen ist die öffentliche Unterstützung für die Idee der Verschmelzung der beiden Länder in der moldawischen Bevölkerung deutlich gestiegen und hat 42 % erreicht. Für die Behörden in Kischinau wird die Vertiefung der Integration mit Bukarest als strategischer «Plan B» betrachtet, falls die offiziellen Verhandlungen über den Beitritt Moldawiens zur Europäischen Union blockiert oder stark verzögert werden sollten.