Rumänien geht zu entschlossenen diplomatischen und militärischen Maßnahmen über, nachdem ein russischer Drohnenangriff ein Wohnhaus in der Stadt Galați getroffen hat. Außenministerin Oana Tănasă bestätigte, dass Bukarest offiziell von der NATO eine Beschleunigung der Lieferung von Luftabwehrsystemen verlangen wird und zudem das einzige russische Generalkonsulat in Constanța schließen wird.

Diplomatische Antwort und Schließung des Konsulats

Als Reaktion auf das, was die Ministerin als „unzulässige und skandalöse Verletzung des Luftraums“ bezeichnete, hat Rumänien den russischen Botschafter zu Erklärungen vorgeladen. Als Gegenmaßnahme wird der russische Generalkonsul in Constanța als persona non grata erklärt, und das Konsulat wird seine Tätigkeit einstellen. Diese Entscheidung wurde von rumänischem Präsidenten Nicolae Ciucă unterstützt.

Forderungen an die NATO: Beschleunigung der Lieferungen

Obwohl Bukarest derzeit nicht plant, Artikel 4 des NATO-Vertrags (der dringende Konsultationen vorsieht) zu aktivieren, fordert das Land eine Überprüfung der Lieferfristen für militärische Ausrüstung. Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Aleksander Vindman, hat bereits früheren Vorschlägen Rumäniens zur Verlegung von Ausrüstung zugestimmt, doch nun bitten die Behörden um eine schnellere Umsetzung.

Zu den angeforderten Waffen gehören spezielle Radare zur Erkennung von niedrig fliegenden Drohnen, wobei die vollständige Liste weiterhin geheim bleibt.

Warum wurde die Drohne nicht abgeschossen?

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag: Eine Drohne, die während eines Angriffs auf zivile Objekte im ukrainischen Luftraum abgefangen worden war, überschritt die Grenze und stürzte auf das Dach eines Hochhauses, wodurch ein Brand entstand und zwei Personen leicht verletzt wurden. Zwei F-16-Jäger wurden alarmiert, aber die Piloten erhielten keinen Befehl zum Feuer.

Ein hochrangiger Offizier der rumänischen Armee erklärte dies damit, dass für die Entscheidungsfindung zu wenig Zeit zur Verfügung stand und das Abfeuern von Munition über einem dicht besiedelten Gebiet zu riskant gewesen wäre. Wie Vizeverteidigungsminister Sorin Moldovan betonte: „Wenn Zivilisten gefährdet sind, gibt man keinen Schussbefehl.“

Reaktion der NATO und von Experten

Ein Vertreter des Bündnisses bestätigte, dass die Flugzeuge bereit waren und über alle notwendigen Befugnisse verfügten, aber der Vorrang lag auf der Sicherheit der Menschen. Die NATO bewertet derzeit Möglichkeiten zur Optimierung des Netzwerks von Sensoren und Abwehrlösungen, um ähnliche Bedrohungen sicherer zu neutralisieren. Insbesondere wird die Übergabe des Drohnenabwehrsystems MEROPS unter NATO-Kommando diskutiert.

Der unabhängige Sicherheitsexperte Radu Tudor betont, dass das Hauptproblem die Geschwindigkeit der Entwicklung russischer Technologien sei: „Sie entwickeln sich gemeinsam mit den Bedrohungen, während wir unsere Verteidigung ausbauen, aber nicht schnell genug.“

Kontext: Provokation oder Fehler?

Seit dem vollen Einmarsch im Jahr 2022 hat Rumänien mindestens 25 Verletzungen des Luftraums registriert, davon sieben allein in diesem Jahr. Ukrainische Militärs bezeichnen den Absturz der Drohne in Galați als „vorsätzliche Provokation“ Moskaus und merken an, dass die Drohne genug Treibstoff hatte, um nicht einfach vom Kurs abzukommen.

Gleichzeitig fordern russische Amtsträger, darunter Dmitri Medwedew, die Bestimmung der Herkunft der Drohne, verlangen jedoch von den EU-Ländern, „die Klappe zu halten“. Maria Sacharowa äußerte ebenfalls Drohungen gegenüber westlichen Ländern. Rumänien plant, das Thema der Stärkung der Abschreckung und der Verteidigungsfähigkeiten an der östlichen Flanke bei der nächsten NATO-Botschafterkonferenz aufzugreifen.